Wie Stützflüssigkeit im Baugrund wirkt
Die Stützflüssigkeit erzeugt in der offenen Bohrung oder im ausgehobenen Schlitz einen Gegendrück zur umgebenden Erd- und Wasserbelastung. Dadurch bleibt die Wandung in nicht standfesten Bereichen temporär stabil. Je nach System wirken neben dem Flüssigkeitsdruck auch stoffliche Eigenschaften des Mediums an der Kontaktfläche zum Boden. Für den sicheren Einsatz werden Eigenschaften wie Zusammensetzung, Konsistenz und Verunreinigungen während der Arbeiten kontrolliert.
Einsatz bei Bohrpfählen, Schlitzwänden und Leitungsquerungen
Typische Anwendungen sind Bohrpfahlgründungen, Schlitzwände und andere Verfahren mit offenen, tiefen oder grundwasserbeeinflussten Hohlräumen. Stützflüssigkeit kommt vor allem dort zum Einsatz, wo Lockerboden oder wasserführende Schichten ohne Sicherung nicht ausreichend standfest sind. Auch bei grabenlosen Verfahren kann sie die Ortsbrust oder die Bohrung stabilisieren und gleichzeitig den Materialaustrag unterstützen. Der Einsatz ist eng an den jeweiligen Bauablauf gekoppelt, insbesondere an Aushub, Reinigung, Bewehrungseinbau und Betonage.
Bentonit- und polymerbasierte Systeme
Im Spezialtiefbau werden vor allem mineralische Suspensionen auf Bentonitbasis und polymere Stützflüssigkeiten verwendet. Bentonitsysteme sind als klassische Suspensionen verbreitet und werden häufig aufbereitet und im Kreislauf geführt. Polymere Systeme werden je nach Verfahren und Bodenverhalten eingesetzt, wenn andere rheologische Eigenschaften oder ein anderes Reinigungsverhalten gefragt sind. Die Wahl des Systems beeinflusst unter anderem Lagerung, Mischtechnik, Separierung des Bohrguts, Wiederverwendung und Entsorgungsaufwand.
Einordnung unter Materialien im Spezialtiefbau
In der Hierarchie des Spezialtiefbaus gehört Stützflüssigkeit zu den eingesetzten Materialien beziehungsweise Arbeitsmedien. Sie unterscheidet sich damit von Fels und Lockerboden, die den anstehenden Baugrund beschreiben. Während Fels und Lockerboden die Randbedingungen für das Verfahren vorgeben, ist Stützflüssigkeit ein bewusst eingebrachtes Medium zur temporären Stabilisierung. Sie ist auch nicht mit Verpressmaterial oder dauerhaftem Dichtmaterial gleichzusetzen, da ihre Funktion in erster Linie den Bauzustand betrifft.