Leistungsumfang von Kontrollmessung und Netzmessung im Tunnelbau
Die Kontrollmessung dient der Ueberpruefung vorhandener Absteckungen, Bauzustande und ausgefuehrter Geometrien. Dabei werden Koordinaten, Hoehen und Achsbezuge gemessen und mit den vorgegebenen Sollwerten verglichen. Die Netzmessung umfasst das Einrichten und Ueberwachen des geodaetischen Referenznetzes, einschliesslich Festpunkten, Uebertragungspunkten und unterirdischen Messgrundlagen. Im Tunnel ist dieses Netz entscheidend, damit Messungen ueber laengere Distanzen, mehrere Bauphasen und unterschiedliche Angriffspunkte konsistent bleiben.
Typische Einsatzsituationen waehrend Vortrieb und Ausbau
Kontroll- und Netzmessungen fallen im Tunnelbau an, wenn Bezugspunkte in den Untertagebereich uebertragen, Vortriebsachsen geprueft oder Anschluesse an andere Bauwerke kontrolliert werden muessen. Typische Anlaesse sind Portalbereiche, Schaechte, Zwischenangriffe, Querschlaege und Durchschlaege, bei denen geringe Abweichungen grosse Auswirkungen auf die weitere Bauausfuehrung haben koennen. Auch vor dem Einbau dauerhafter Ausbau- oder Innenbauteile werden Kontrollmessungen eingesetzt, um vorhandene Geometrien messtechnisch zu bestaetigen. Bei laengeren Bauzeiten kommt die wiederkehrende Netzpruefung hinzu, damit Verschiebungen, Beschaedigungen oder Genauigkeitsverluste im Messnetz erkannt werden.
Messnetzaufbau, Verdichtung und laufende Pruefung
Im Tunnelbau wird meist zwischen uebergeordneten Referenzpunkten und verdichteten lokalen Messpunkten unterschieden. Netzmessungen koennen die erstmalige Einrichtung eines Netzes, die Erweiterung entlang des Vortriebs sowie die spaetere Kontrolle der Netzstabilitaet umfassen. Je nach Bauphase stehen unterschiedliche Aufgaben im Vordergrund: zu Beginn die sichere Uebertragung der Projektbezuege, waehrend des Vortriebs die Verdichtung und Plausibilisierung des Netzes, spaeter die Kontrolle von Bestands- und Ausbaugeometrien. Zur Leistung gehoert auch die nachvollziehbare Auswertung der Messdaten, damit Abweichungen, Restfehler und die Verwendbarkeit der gemessenen Punkte fachlich eingeordnet werden koennen.
Abgrenzung zu Bauvermessung, Geotechnik und Tunnelscanning
Im Unterschied zur Bauvermessung, die vor allem fuer Absteckung und lagegerechte Uebertragung von Projektpunkten eingesetzt wird, prueft die Kontrollmessung die tatsaechlich erreichte Ausfuehrung und die Zuverlaessigkeit der Messgrundlagen. Gegenueber der geotechnischen Messung richtet sich der Fokus nicht auf das Verhalten von Gebirge, Baugrund oder Sicherungselementen, sondern auf geodaetische Bezuege und geometrische Kontrolle. Die Konvergenzmessung ist auf Veraenderungen des Tunnelquerschnitts und auf Deformationsbeobachtung ausgelegt; sie ist daher enger gefasst als die allgemeine Kontrollmessung. Tunnelscanning liefert flaechige Punktwolken zur Erfassung der Oberflaechengeometrie, ersetzt aber kein belastbares Messnetz und keine geodaetisch gefuehrte Kontrollmessung.