Funktion in Rohrleitungen und Behältern
Beim Füllen von Leitungen kann sich Luft an Hochpunkten oder in ungünstigen Leitungsabschnitten sammeln. Entlüftungsventile leiten diese Luft kontrolliert ab, damit der Querschnitt nicht teilweise blockiert wird und der Durchfluss gleichmässig bleibt. Belüftungsventile erfüllen die umgekehrte Aufgabe: Sie lassen Luft in das System, wenn Wasser abfliesst oder Druck abfällt, damit kein schädlicher Unterdruck entsteht. In vielen Anwendungen werden beide Funktionen in einer kombinierten Armatur zusammengeführt.
Typische Einbauorte in Wasser- und Abwasseranlagen
Solche Armaturen werden dort eingesetzt, wo sich Luft ansammeln oder Unterdruck bilden kann. Typische Einbauorte sind Hochpunkte von Druckleitungen, lange Transportleitungen mit wechselndem Geländeprofil, Pumpstationen, Steigleitungen sowie Anlagenteile, die regelmässig gefüllt und entleert werden. Auch in der Abwassertechnik kommen sie zum Einsatz, wenn eingeschlossene Luft den Betrieb beeinträchtigen oder beim Entleeren ein unzulässiger Unterdruck entstehen kann. Die genaue Positionierung richtet sich nach Leitungsverlauf, Betriebsweise und Zugänglichkeit für Kontrolle und Unterhalt.
Ausführungen und betriebliche Unterschiede
Zu unterscheiden sind reine Entlüftungsventile, reine Belüftungsventile und kombinierte Be- und Entlüftungsventile. Entlüftungsventile können für das Ableiten kleiner Luftmengen im laufenden Betrieb oder für grössere Luftmengen beim Befüllen ausgelegt sein. Belüftungsventile sind auf die kontrollierte Luftaufnahme bei Entleerung oder Druckabfall ausgerichtet. Je nach Einsatzbereich werden die Armaturen für unterschiedliche Medien, Druckverhältnisse und Einbaulagen gewählt. Bei der Auswahl sind zudem Verschmutzungsgrad, Wartungszugang und die Eignung für den jeweiligen Anlagenbereich zu berücksichtigen.
Abgrenzung innerhalb der Armaturen
Belüftungsventile und Entlüftungsventile steuern den Luftaustausch, nicht den Hauptdurchfluss des Mediums. Damit unterscheiden sie sich von Absperrorganen, Absperrschiebern oder Kugelhahnen, die Leitungen öffnen, schliessen oder drosseln. Gegenüber Rückschlagventilen und Rückschlagklappen liegt der Schwerpunkt nicht auf der Verhinderung von Rückströmung, sondern auf dem Abbau von Luftansammlungen und dem Schutz vor Unterdruck. Von Sicherheitsventilen grenzen sie sich dadurch ab, dass sie nicht primär dem Druckabbau bei Überdruck dienen. Innerhalb der Hierarchie gehören sie zu den Armaturen, weil sie eine klar definierte Regel- und Schutzfunktion im Leitungssystem übernehmen.