Wirkprinzip der trockenthermischen Behandlung
Bei der trockenthermischen Sanierung wird der belastete Boden oder ein mineralischer Feststoff in einer technischen Anlage erwärmt. Durch den Wärmeeintrag lösen sich schadstoffbelastete Bestandteile aus der Matrix, verdampfen oder werden in eine gasförmige Phase überführt. Diese Stoffströme werden erfasst und separat behandelt, damit sie nicht unkontrolliert in die Umgebung gelangen. Im Unterschied zu Nassverfahren erfolgt die Abtrennung ohne Waschlösung oder Extraktionsmedium.
Geeignete Belastungen und typische Einsatzkontexte
Das Verfahren kommt vor allem bei Schadstoffspektren in Betracht, die sich durch Erwärmung mobilisieren oder thermisch abtrennen lassen. Behandelt werden meist ausgehobene Böden, Aushubmaterialien oder andere mineralische Materialien aus belasteten Standorten. Trockenthermische Verfahren sind weniger naheliegend, wenn Schadstoffe durch Wärme nicht ausreichend erfassbar sind oder wenn die Materialeigenschaften unter Erwärmung problematisch reagieren. Die Eignung hängt deshalb immer von Schadstoffart, Bindungsform und Materialbeschaffenheit ab.
Verfahrensschritte und technische Ausprägungen
Typische Prozessschritte sind Materialannahme, Aufbereitung des Bodenmaterials, thermische Behandlung, Erfassung der entstehenden Abluft sowie Kontrolle des behandelten Materials. Die Prozessführung kann kontinuierlich oder chargenweise erfolgen. Je nach Anlage wird das Material direkt oder indirekt beheizt. Unterschiede bestehen zudem in der Temperaturführung, der Verweilzeit und der Art der Abluftreinigung, die auf das Schadstoffspektrum und die geforderte Behandlungsqualität abgestimmt werden.
Abgrenzung zu verwandten Bodensanierungsverfahren
Innerhalb der Bodensanierungsverfahren bezeichnet trockenthermisch ein thermisches Wirkprinzip ohne flüssiges Prozessmedium. Gegenüber Waschen, Extraktion oder Extraktion und Stripping steht nicht die Stoffverlagerung in eine Flüssigphase im Vordergrund, sondern die thermische Austragung oder Abtrennung. Von biologischen oder elektrochemischen Verfahren unterscheidet sich trockenthermisch durch den primären Einsatz von Wärme statt mikrobieller Abbauprozesse oder elektrischer Felder. Die Begriffe In situ und Ex situ ordnen dagegen den Ort der Sanierung ein; trockenthermisch beschreibt das Behandlungsprinzip und kann in entsprechende Sanierungskonzepte eingebettet sein.