Wie Abwasserkleinkraftwerke funktionieren
Die Anlage wandelt die Energie des fliessenden Abwassers über eine Turbine oder ein vergleichbares Aggregat in elektrische Energie um. Voraussetzung sind ein ausreichend gleichmässiger Durchfluss und ein nutzbarer Höhenunterschied oder Strömungsdruck. Wegen der besonderen Eigenschaften von Abwasser müssen Feststoffe, Schwankungen im Zufluss und betriebliche Anforderungen der Kanal- oder Klärtechnik bei der Auslegung berücksichtigt werden.
Typische Einbauorte in Kanalisation und Kläranlage
Geeignete Standorte liegen dort, wo Abwasser über längere Zeit mit verwertbarem Gefälle geführt wird. Dazu zählen je nach Anlage Hauptsammler, Überleitungsstrecken sowie Zu- und Ablaufbereiche von Kläranlagen oder anderen abwassertechnischen Bauwerken. Der Einbau ist nur sinnvoll, wenn der reguläre Abfluss, die Betriebssicherheit und die Zugänglichkeit für Unterhalt erhalten bleiben.
Technische Ausprägungen und Planungsfragen
Die konkrete Lösung richtet sich nach Fallhöhe, Durchflussmenge, Schwankungsbreite und Verschmutzungsgrad des Abwassers. Je nach hydraulischer Situation kommen unterschiedliche Turbinenkonzepte oder kompakte Aggregate in Frage. In der Planung sind neben dem Energieertrag auch Themen wie Rechen- und Sedimentmanagement, Korrosionsbeständigkeit, Wartungszugang, elektrische Einbindung und die hydraulische Verträglichkeit mit dem bestehenden Netz zu prüfen.
Einordnung innerhalb der Abwasserenergienutzung
Abwasserkleinkraftwerke sind ein Teilbereich der Abwasserenergienutzung und unterscheiden sich von Systemen zur Wärmerückgewinnung aus Abwasser deutlich. Bei der Wärmerückgewinnung wird die im Abwasser enthaltene Wärme für Heizzwecke oder Wärmepumpen genutzt, während Abwasserkleinkraftwerke Strom aus dem Abfluss und Gefälle erzeugen. Die Leistung ist damit näher an der Nutzung von hydraulischer Energie als an thermischen Rückgewinnungssystemen, bleibt aber an die Besonderheiten der Abwasserinfrastruktur gebunden.