Funktionsprinzip von Absetzkammern
In einer Absetzkammer wird der belastete Gasstrom in einen grösseren Strömungsraum geführt. Durch die reduzierte Geschwindigkeit und eine beruhigte Strömung können schwerere Feststoffpartikel oder Flüssigkeitstropfen der Schwerkraft folgen und sich im Sammelbereich absetzen. Die Abscheidung erfolgt damit ohne Filtermedium und ohne elektrische Aufladung. Wirksam ist dieses Prinzip vor allem bei Partikeln mit ausreichender Masse und bei Betriebsbedingungen, die eine stabile Strömungsführung zulassen.
Typische Einsatzbereiche in Abluft- und Rauchgassystemen
Absetzkammern kommen als Vorabscheider in Prozessabluft-, Entstaubungs- und Rauchgasstrecken vor, wenn mit gröberen Staubfraktionen oder mit kondensierten Flüssigkeitsteilchen zu rechnen ist. Sie werden unter anderem dort berücksichtigt, wo hohe Rohstaubbeladungen auftreten oder robuste, strömungsarme Abscheidestufen gefragt sind. In der Praxis stehen nicht feinste Abscheidegrade im Vordergrund, sondern die Reduktion grober Lasten vor nachgeschalteten Filtern, elektrischen Abscheidern oder Nassabscheidern. Auch in Anlagen mit erhöhtem Verschleissrisiko kann die vorgelagerte Abscheidung die Belastung weiterer Komponenten senken.
Bauformen und betriebliche Auslegung
Die Ausführung von Absetzkammern richtet sich nach Volumenstrom, Partikel- oder Tropfenspektrum, Temperatur, Feuchte und Austragskonzept. Relevant sind insbesondere Querschnitt, Verweilzeit, Ein- und Ausströmgeometrie sowie die Vermeidung von Verwirbelungen, welche bereits abgesetztes Material wieder mitreissen können. Je nach Medium werden Sammeltrichter, Austragsorgane oder leicht zugängliche Reinigungsbereiche vorgesehen. Bei klebrigen, feuchten oder temperaturkritischen Stoffen muss die Konstruktion so gewählt werden, dass Anbackungen, Ablagerungen und unkontrollierte Druckverluste beherrschbar bleiben.
Abgrenzung zu anderen Abscheidern
Absetzkammern unterscheiden sich von elektrischen Abscheidern und filternden Abscheidern dadurch, dass sie ohne elektrische Feldwirkung und ohne Filtermedium arbeiten. Gegenüber mechanischen Abscheidern wie Zentrifugen ist die Trennung weniger auf Fliehkraft als auf Schwerkraft und Strömungsberuhigung ausgelegt. Von Tropfenabscheidern grenzen sie sich dadurch ab, dass Tropfenabscheider meist gezielt auf das Entfernen mitgerissener Flüssigkeitstropfen in kompakteren Strukturen ausgelegt sind. Innerhalb der Hierarchie der Luftreinhaltung gehören Absetzkammern damit zu den einfachen physikalischen Vor- oder Grobabscheidern im Bereich der Abscheidung fester Stoffe und Abscheidung flüssiger Stoffe.