Bohrbearbeitung bei thermoplastischen und duroplastischen Kunststoffen
Bohren ist ein konventionelles Zerspanungsverfahren zur Herstellung zylindrischer Öffnungen in Kunststoffteilen. Bearbeitet werden unter anderem Platten, Profile, Stäbe und Formteile aus Thermoplasten, Duroplasten oder faserverstärkten Kunststoffen. Entscheidend sind eine stabile Werkstückauflage, eine kontrollierte Spanabfuhr und eine Bearbeitung mit begrenzter Wärmeeinbringung, da viele Kunststoffe empfindlich auf Reibung, lokale Erwärmung oder Kerbwirkung reagieren.
Typische Anwendungen für Bohrungen in Kunststoffbauteilen
Bohrungen werden für Montagepunkte, Kabel- und Medienführungen, Verschraubungen, Dübelaufnahmen, Steckverbindungen oder Passungen eingesetzt. Häufig betrifft dies Gehäuse, Abdeckungen, transparente Platten, technische Bauteile sowie Halbzeuge, die später weiterverarbeitet werden. Auch im Prototypenbau, bei Einzelteilen und in der Nachbearbeitung von Kunststoffformteilen ist Bohren ein gängiger Arbeitsschritt.
Ausführungen von Bohrungen und prozessrelevante Unterschiede
Je nach Anforderung entstehen Durchgangsbohrungen, Sacklöcher, grössere Durchmesser durch stufenweises Aufbohren oder Bohrungen mit nachfolgender Senkung. Bei spröderen Kunststoffen steht die Vermeidung von Ausbrüchen im Vordergrund, bei weicheren oder zäheren Werkstoffen eher die Kontrolle von Wärme und Spanbildung. Transparente Kunststoffe verlangen zusätzlich eine Bearbeitung, die Spannungszonen und sichtbare Beschädigungen möglichst gering hält.
Abgrenzung zu Fräsen, Sägen und Gewindeschneiden
Innerhalb der konventionellen Bearbeitung dient Bohren in erster Linie der Herstellung runder Öffnungen. Im Unterschied dazu wird Fräsen für Konturen, Taschen, Nuten oder planare Flächen eingesetzt, während Sägen und Schneiden vor allem Trennschnitte und Zuschnitte erzeugen. Gewindeschneiden ist kein Ersatz für Bohren, sondern folgt häufig auf eine vorbereitete Kernlochbohrung. Gegenüber Drehen bezieht sich Bohren in diesem Kontext nicht auf rotationssymmetrische Aussen- oder Innenkonturen, sondern gezielt auf einzelne Bohrpositionen im Werkstück.