Was bei Druckversuchen gemessen wird
Beim Druckversuch wird ein Prüfkörper zwischen zwei Druckplatten belastet, bis ein definierter Endpunkt erreicht ist. Erfasst werden dabei Kraft und Verformung, aus denen sich druckbezogene Kennwerte ableiten lassen. Je nach Werkstoff und Prüfziel stehen die maximale Druckbelastbarkeit, das Spannungs-Dehnungs-Verhalten oder das Verhalten bei vorgegebenen Verformungen im Vordergrund. Relevant ist auch, ob das Material spröde bricht, plastisch nachgibt oder sich lokal eindrückt.
Typische Anwendungen bei Kunststoffen
Druckversuche werden für starre Kunststoffe, zellige Materialien, Formteile und funktionale Bauteile eingesetzt. Typische Anwendungsfälle sind Abstandshalter, Gehäusebereiche mit Klemmkräften, Lager- und Stützfunktionen, Verpackungselemente oder Dämm- und Schaumstoffe. Die Prüfung ist besonders sinnvoll, wenn ein Kunststoff nicht primär auf Zug, sondern auf Stauchung oder Flächenpressung beansprucht wird. Auch bei Materialvergleichen und in der Wareneingangs- oder Serienprüfung kann der Versuch verwendet werden.
Prüfaufbauten und Einflussgrössen
Aussagekraft und Vergleichbarkeit hängen stark vom Prüfaufbau ab. Prüfkörpergeometrie, Belastungsgeschwindigkeit, Konditionierung, Temperatur und die Ausrichtung zum Herstellprozess beeinflussen das Ergebnis deutlich. Bei kompakten Kunststoffen stehen oft Festigkeit und Dehnungsverhalten im Fokus, bei Schaumstoffen zusätzlich Einsinkverhalten und Verdichtung. Neben genormten Prüfkörpern sind auch bauteilnahe Versuche möglich, wenn reale Lastpfade oder Kontaktflächen untersucht werden sollen.
Abgrenzung zu anderen mechanischen Prüfungen
Druckversuche sind innerhalb der mechanischen Prüfungen auf Belastungen durch Stauchung ausgerichtet. Im Unterschied zu Zugversuchen wird der Werkstoff nicht auseinandergezogen, sondern zusammengedrückt. Der 3-Punkt-Biegeversuch bildet eine kombinierte Beanspruchung aus Zug- und Druckzonen ab, während Charpy- und Izod-Prüfungen das Schlagverhalten bei kurzzeitiger, dynamischer Belastung prüfen. Druckversuche eignen sich daher vor allem dann, wenn das reale Einsatzszenario überwiegend durch Druckkräfte bestimmt ist.