Wie chromfreie Passivierung auf der Oberfläche wirkt
Bei der chromfreien Passivierung reagiert die Prozesschemie mit der Metalloberfläche und bildet eine sehr dünne funktionale Schicht. Diese Schicht trennt das Metall nicht vollständig vom Umfeld, verändert aber sein chemisches Verhalten und kann die Anfälligkeit gegenüber Korrosion reduzieren. Im Unterschied zu aufgetragenen Beschichtungen steht nicht der Aufbau einer dicken Schicht im Vordergrund, sondern die gezielte Umwandlung der äussersten Oberflächenzone.
Typische Einsatzsituationen in der Metallbearbeitung
Chromfreie Passivierung wird meist nach einer definierten Vorbehandlung eingesetzt, etwa nach dem Reinigen, Beizen oder nach galvanischen und chemischen Vorprozessen. Sie kommt dort in Betracht, wo Bauteile mit Feuchtigkeit, wechselnden Umgebungsbedingungen oder weiteren Fertigungsschritten in Kontakt kommen. Je nach System kann sie als Endbehandlung dienen oder als vorbereitende Schicht für Lackieren, Kleben oder andere funktionale Oberflächenprozesse.
Verfahrensauslegung nach Werkstoff und Prozesskette
In der Lohnbehandlung wird die chromfreie Passivierung auf die vorhandene Prozesskette abgestimmt. Relevante Punkte sind unter anderem der Grundwerkstoff, eine vorhandene Metallabscheidung, der Oberflächenzustand vor der Behandlung, die Badführung sowie Spül- und Trocknungsschritte. Je nach Anlage erfolgt die Behandlung im Tauch- oder Spritzverfahren. Das gewünschte Ergebnis kann sich auf Korrosionsschutz, Benetzbarkeit, Haftungsgrundlage oder auf eine definierte Oberflächenreaktion beziehen.
Abgrenzung zu Chromatieren, Chrompassivieren und anderen chemischen Behandlungen
Chromfreie Passivierung ist von chromhaltigen Verfahren klar zu trennen. Beim Chromatieren oder Chrompassivieren werden andere chemische Systeme eingesetzt, während die chromfreie Variante ohne diese auskommt. Von Phosphatieren oder Zink-Phosphatieren unterscheidet sie sich durch Schichtcharakter und Anwendungsziel. Gegenüber Entfetten, Reinigen oder Abbeizen ist sie keine Reinigungsstufe, sondern eine funktionale Nachbehandlung. Auch von chemischen Metallabscheidungen wie chemischem Vernickeln oder chemischem Verkupfern ist sie abzugrenzen, da dabei eine Metallschicht aufgebaut wird.