Was beim Tunnelscanning erfasst wird
Beim Tunnelscanning werden Innenflächen von Tunnelbauwerken mit Scanverfahren digital aufgenommen und als dichte Punktwolke ausgewertet. Daraus lassen sich Querschnitte, Lichtraumprofile, Oberflächenverläufe und geometrische Abweichungen ableiten. Je nach Aufgabenstellung werden die Daten in ein übergeordnetes Koordinatensystem eingebunden, mit Planunterlagen verglichen oder für die weitere Modellierung aufbereitet.
Einsatzbereiche in Bestand, Inspektion, Neubau und Sanierung
Im Bestand dient Tunnelscanning der vollständigen geometrischen Dokumentation bestehender Bauwerke. Für Inspektionen kann es wiederholbare Aufnahmen liefern, um sichtbare Veränderungen an der Oberfläche oder am Profil nachvollziehbar festzuhalten. Im Neubau wird es für Soll-Ist-Vergleiche von Ausbruch, Sicherung oder Ausbau genutzt. In der Sanierung schafft es eine belastbare Grundlage für Planung, Massenermittlung und die räumliche Einordnung von Eingriffen.
Erfassungsformen und typische Auswertungen
Je nach Tunnel, Zugänglichkeit und Genauigkeitsanforderung erfolgt die Erfassung stationär von einzelnen Standpunkten oder mobil entlang der Tunnelachse. Die Auswertung kann sich auf einzelne Querprofile beschränken oder flächige 3D-Modelle, Abwicklungen und Differenzdarstellungen zwischen mehreren Aufnahmezeitpunkten umfassen. Welche Form sinnvoll ist, richtet sich nach dem Ziel der Aufnahme, etwa Bestandsmodell, Profilkontrolle oder Zustandsdokumentation.
Abgrenzung zu Bauvermessung und Messüberwachung
Tunnelscanning unterscheidet sich von der Bauvermessung dadurch, dass nicht die Absteckung oder allgemeine geodätische Aufnahme im Vordergrund steht, sondern die dichte 3D-Erfassung des Tunnelraums. Gegenüber der geotechnischen Messung liegt der Fokus nicht auf Material- oder Gebirgsverhalten, sondern auf der geometrischen und visuellen Erfassung des Bauwerks. Auch Konvergenzmessung ist anders einzuordnen: Sie überwacht gezielt Querschnittsveränderungen über definierte Messpunkte oder Messquerschnitte, während Tunnelscanning flächenhafte Bestandsdaten liefert. Kontrollmessung und Netzmessung schaffen die geodätische Grundlage, ersetzen das Scanning aber nicht.