Wie naturnahe Abwasserreinigung funktioniert
Bei der naturnahen Abwasserreinigung wird Abwasser so geführt, dass Mikroorganismen, Sauerstoffeintrag, Sedimentation und Filterwirkung zusammenwirken. Organische Belastungen werden biologisch abgebaut, Feststoffe zurückgehalten und einzelne Inhaltsstoffe durch natürliche Umsetzungs- und Rückhalteprozesse vermindert. Die genaue Reinigungsleistung hängt vom Verfahren, der Belastung des Abwassers, der hydraulischen Auslegung und den Standortbedingungen ab.
Geeignete Einsatzbereiche und Rahmenbedingungen
Naturnahe Verfahren kommen dort in Frage, wo ausreichend Fläche zur Verfügung steht und ein robustes, vergleichsweise einfaches Behandlungskonzept gesucht wird. Sie werden vor allem für Abwasserströme mit geeigneter Zusammensetzung und für Standorte mit passender Topografie, Bodenbeschaffenheit und klimatischen Bedingungen geprüft. Für die Planung sind Zuflussmenge, Belastungsschwankungen, Vorbehandlung, Wasserhaushalt und Anforderungen an den Ablauf massgebend.
Verfahrensarten innerhalb der naturnahen Reinigung
Zur naturnahen Abwasserreinigung zählen unterschiedliche Systeme mit eigener hydraulischer und biologischer Wirkungsweise. Bei der Abwasserverrieselung wird das Abwasser über Flächen verteilt, damit Boden und Mikroorganismen Reinigungsprozesse übernehmen. Oxydationsteiche arbeiten mit grossvolumigen Becken, in denen biologische Abbauvorgänge und natürliche Belüftung zusammenwirken. Sandfilter nutzen die Filter- und Aufwuchswirkung eines porösen Aufbaumaterials, um Schwebstoffe zurückzuhalten und biologische Umsetzung zu ermöglichen.
Einordnung innerhalb der Abwasserbehandlung
Innerhalb der Hierarchie gehört die naturnahe Abwasserreinigung zum Bereich Abwasser und ist von technisch geprägten Behandlungsstufen abzugrenzen. Mechanische Behandlung entfernt vor allem Grob- und Schwebstoffe, chemisch-physikalische oder chemische Verfahren arbeiten mit gezielten Stoffumwandlungen oder Fällungsprozessen, und die biologische Behandlung in Kläranlagen erfolgt meist in stärker kontrollierten Reaktorsystemen. Gegenüber stationären oder mobilen Kläranlagen beschreibt die naturnahe Abwasserreinigung keine kompakte Anlagengattung, sondern ein Set flächenbezogener Verfahren mit natürlicher Prozessführung. Zur Wasseraufbereitung besteht zudem ein fachlicher Unterschied: Dort steht die Aufbereitung von Wasser für eine definierte Nutzung im Vordergrund, nicht die Reinigung von Abwasser.