Was bei der Verfahrensentwicklung ausgearbeitet wird
Ausgangspunkt sind die Eigenschaften des zu behandelnden Mediums, etwa Feststoffgehalt, organische Belastung, gelöste Inhaltsstoffe oder schwer abbaubare Spurenstoffe. Darauf aufbauend werden geeignete Verfahrensschritte ausgewählt, kombiniert und in ihrer Wechselwirkung bewertet. Je nach Aufgabenstellung können mechanische, physikalische, chemische oder biologische Stufen sowie deren Reihenfolge, Dosierung, Kontaktzeit und Trennleistung untersucht werden. Ziel ist kein allgemeines Standardkonzept, sondern ein auf die konkrete Wasser- oder Abwassermatrix abgestimmtes Verfahren.
Typische Anwendungsfälle in Wasser- und Abwasserprojekten
Verfahrensentwicklungen werden eingesetzt, wenn bestehende Standardlösungen die geforderte Reinigungsleistung nicht sicher erreichen oder wenn sich die Randbedingungen stark unterscheiden. Das betrifft zum Beispiel industrielle Abwässer mit schwankender Zusammensetzung, die Entfernung spezifischer Problemstoffe, die Aufbereitung für Wasserkreisläufe oder die Behandlung von Teilströmen mit hoher Belastung. Auch bei neuen Anforderungen an Ablaufqualität, Wiederverwendung oder Ressourcenschonung ist eine gezielte Entwicklung sinnvoll. In der Schlamm- und Wasserbehandlung kann dies ebenso die Anpassung an standortspezifische Rohwasserqualitäten oder Nebenströme umfassen.
Vorgehen von der Laborprüfung bis zur Auslegung
Die Arbeit beginnt meist mit der Analyse vorhandener Betriebsdaten und Proben sowie mit einer Definition der Behandlungsziele. Darauf folgen Labor- und Eignungsversuche, in denen einzelne Reaktionswege, Fällmittel, Adsorbentien, Membranen oder biologische Abbaumechanismen geprüft werden. Wenn erforderlich, werden die Ergebnisse in Technikums- oder Pilotversuchen unter realitätsnahen Bedingungen abgesichert. Am Ende steht eine verfahrenstechnische Grundlage für Dimensionierung, Betriebsstrategie, Stoffströme und Schnittstellen zur Gesamtanlage.
Abgrenzung zu Pilotierungen, Einzeltechnologien und Analysen
Innerhalb der Hierarchie gehört die Entwicklung von Aufbereitungsverfahren zur forschungs- und innovationsnahen Planung. Sie ist breiter angelegt als eine Ozon-Pilotierung, die ein einzelnes Oxidationsverfahren unter Praxisbedingungen testet. Sie geht auch über spezialisierte Technologien wie Flüssig-Membran-Permeation hinaus, da sie ganze Behandlungsketten oder mehrere Verfahrenskombinationen betrachtet. Von Desodorierung unterscheidet sich die Leistung durch den Fokus auf Stoffentfernung und Wasserqualität statt auf Geruchsminderung, und von Trendanalysen oder Wasserbedarfsanalysen durch den verfahrenstechnischen statt primär analytischen oder prognostischen Charakter.