Verfahrensprinzip der aeroben-thermophilen Stabilisierung
Bei diesem Verfahren wird Schlamm in einem belüfteten Reaktor unter Bedingungen geführt, die thermophile Mikroorganismen begünstigen. Die biologische Aktivität baut abbaubare organische Anteile ab und setzt dabei Wärme frei, wodurch erhöhte Betriebstemperaturen erreicht oder gehalten werden können. Im Unterschied zu rein mechanischen Verfahren verändert die aerobe-thermophile Schlammstabilisierung vor allem die biologische Beschaffenheit des Schlamms und nicht primär dessen Wassergehalt.
Typische Einbindung in die Schlammbehandlung
Das Verfahren wird in Schlammbehandlungslinien eingesetzt, in denen eine weitergehende Stabilisierung vor Lagerung, Transport, Entwässerung oder Verwertung erforderlich ist. Es kommt vor allem bei kommunalen Anlagen und in ausgewählten industriellen Anwendungen in Betracht, sofern Zusammensetzung, Mengen und Betriebskonzept dazu passen. Die Einbindung erfolgt meist nicht isoliert, sondern zusammen mit Vorstufen wie Eindickung sowie Nachstufen wie Entwässerung, Zwischenlagerung oder thermischer Behandlung.
Anlagentechnik und betriebliche Ausprägungen
Zur Ausführung gehören in der Regel Reaktoren, Belüftungssysteme, Einrichtungen zur Durchmischung sowie Komponenten für Temperaturführung und Prozessüberwachung. Je nach Konzept sind ein- oder mehrstufige Fahrweisen möglich. Relevant sind unter anderem Sauerstoffeintrag, Aufenthaltszeit, Schaumbildung, Wärmeverluste und die Abstimmung mit der nachfolgenden Entwässerung. Die konkrete Auslegung hängt stark von Schlammart, Trockensubstanzgehalt und den geforderten Eigenschaften des behandelten Schlamms ab.
Abgrenzung zu Schlammentwässerung und verwandten Verfahren
Trotz der Einordnung im Umfeld der Schlammentwässerung ist die aerobe-thermophile Schlammstabilisierung keine Entwässerungsmaschine wie Bandpressen, Schneckenzentrifugen oder Dekanter. Sie dient der biologischen Stabilisierung und kann eine mechanische Entwässerung vorbereiten oder sinnvoll ergänzen. Gegenüber der aeroben Schlammstabilisierung ohne thermophilen Betrieb liegt der Unterschied in der gezielten Führung bei erhöhten Temperaturen. Von Verfahren wie Nassoxidation oder Schlammverfestigung grenzt sie sich durch ihren biologischen und nicht chemisch-thermischen beziehungsweise rein konditionierenden Ansatz ab.