Wie Schlammbekalkung durchgeführt wird
Bei der Schlammbekalkung wird entwässertem oder eingedicktem Schlamm Kalk in einer festgelegten Menge zugemischt. Durch die Reaktion steigen der pH-Wert und je nach eingesetztem Kalkprodukt auch die Temperatur des Materials. Dadurch lassen sich biologische Abbauprozesse bremsen, Geruchsemissionen reduzieren und die Beschaffenheit des Schlamms für Lagerung, Transport oder weitere Verwertung beeinflussen. Die genaue Auslegung richtet sich nach Schlammart, Trockensubstanz, gewünschtem Behandlungseffekt und den Anforderungen des nachfolgenden Verwertungswegs.
Typische Einsatzbereiche in der Schlammverwertung
Schlammbekalkung wird vor allem im Umfeld von Abwasserreinigungsanlagen und bei der Behandlung kommunaler Schlämme eingesetzt. Sie kommt in Betracht, wenn Schlämme vor einer Zwischenlagerung, einer landwirtschaftsnahen Verwertung oder einer weiteren Aufbereitung stabilisiert werden sollen. Auch bei industriellen Schlämmen kann das Verfahren relevant sein, sofern Zusammensetzung und rechtliche Vorgaben dies zulassen. Ob eine Bekalkung geeignet ist, hängt immer von den Stoffeigenschaften des Schlamms und vom vorgesehenen Entsorgungs- oder Nutzungspfad ab.
Verfahrensvarianten und betriebliche Ausprägungen
Die Schlammbekalkung kann mit unterschiedlichen Kalkprodukten und in verschiedenen Mischsystemen erfolgen. Möglich sind diskontinuierliche Ansätze in Chargen oder kontinuierliche Verfahren mit Dosier- und Mischeinrichtungen. In der Praxis werden die Kalkzugabe, die Durchmischung und die Reaktionszeit so abgestimmt, dass ein möglichst gleichmässiges Endprodukt entsteht. Je nach Anlagenkonzept ist die Bekalkung ein eigenständiger Behandlungsschritt oder in eine bestehende Schlammbehandlung integriert, etwa nach der Entwässerung oder vor einer zeitlich begrenzten Lagerung.
Abgrenzung zu anderen Verfahren der Schlammverwertung
Schlammbekalkung unterscheidet sich von thermischer Klärschlamm-Verwertung dadurch, dass der Schlamm nicht verbrannt oder energetisch umgesetzt wird, sondern stofflich oder konditionierend behandelt wird. Gegenüber Hygienisierung und Pasteurisierung beruht das Verfahren nicht primär auf einer separaten Wärmebehandlung, sondern auf der Wirkung der Kalkzugabe und der daraus resultierenden Milieuveränderung. Von Kompostierung grenzt sich die Schlammbekalkung durch den fehlenden biologischen Rotteprozess ab. Auch zur Phosphor-Rückgewinnung ist sie nicht gleichzusetzen, da dort die Rückgewinnung einzelner Wertstoffe im Vordergrund steht.