Schutzfunktion bei ionisierender Strahlung
Im Bereich ionisierender Strahlung dient Schutzbekleidung in erster Linie dem Kontaminationsschutz. Sie bildet eine Barriere gegen radioaktive Stäube, Partikel, Flüssigkeitsspritzer oder kontaminierte Oberflächen. Bei bestimmten Anwendungen kann sie zusätzlich vor wenig durchdringender Strahlung wie einzelnen Beta-Quellen schützen. Gegen stark durchdringende Strahlung wie viele Gamma- oder Neutronenfelder ist Schutzbekleidung allein jedoch nicht ausreichend; dafür sind Abschirmung, Abstand, Aufenthaltsdauer und Messkonzepte massgebend.
Typische Einsatzbereiche im Strahlenschutz und Zivilschutz
Schutzbekleidungen kommen bei Arbeiten in kontrollierten Bereichen, bei Wartung und Rückbau technischer Anlagen, beim Umgang mit radioaktiven Stoffen sowie bei Dekontaminations- und Bergearbeiten zum Einsatz. Im Zivilschutz werden sie dort benötigt, wo kontaminierte Umgebungen, Gegenstände oder Personen zu erwarten sind. Auch bei Probenahmen, Verpackungsarbeiten, Transportvorbereitung oder temporären Einsätzen in belasteten Zonen sind geeignete Bekleidungssysteme relevant. Welche Ausführung erforderlich ist, hängt von Expositionsszenario, Kontaminationsart, Bewegungsanforderung und Tragedauer ab.
Ausführungen von Schutzbekleidungen
Zu den gebräuchlichen Ausführungen gehören Einweganzüge, wiederverwendbare Schutzanzüge, Schürzen oder Überbekleidungen für spezielle Tätigkeiten sowie ergänzende Komponenten wie Handschuhe, Überschuhe, Hauben und Gesichtsschutz. Für Bereiche mit Röntgenstrahlung oder vergleichbaren Anwendungen kommen je nach Tätigkeit auch strahlungsdämpfende Bekleidungsteile zum Einsatz. Bei der Auswahl sind unter anderem Materialdichtigkeit, Nahtausführung, Verschlusssysteme, Dekontaminierbarkeit, Tragekomfort und die Kombinierbarkeit mit Atemschutz zu prüfen. Schutzbekleidung wird dabei nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil eines vollständigen persönlichen Schutzausrüstungskonzepts.
Abgrenzung zu Abschirmung, Messung und Dekontamination
Schutzbekleidungen unterscheiden sich klar von Abschirmungselementen, die zur Reduktion der Dosis durch bauliche oder mobile Barrieren dienen. Sie sind auch nicht mit Strahlenmessgeräten gleichzusetzen, welche Exposition, Dosisleistung oder Kontamination erfassen. Dekontaminationseinrichtungen werden nach dem Einsatz benötigt, um Personen, Ausrüstung oder Flächen von radioaktiven Stoffen zu reinigen. Filtertechnik, Schutzraumtechnik und Schutztore betreffen dagegen den Schutz von Luft, Räumen und Zugängen. Schutzbekleidung ist somit die personenbezogene Ebene innerhalb des übergeordneten Strahlenschutz- und Zivilschutzsystems.