Beide Bauweisen werden heute noch gebaut, und beide werden in der Lehre unterrichtet. Die eine geht schnell und kostet wenig. Die andere braucht Tage und hält Jahrzehnte. Welche für ein bestimmtes Möbel taugt, hängt weniger am Geschmack als am Rahmen darunter.
Aufbau mit Schaumstoff
Zugeschnittene Schaumplatten liegen auf einem federnden Unterbau, meist Wellenfedern oder breite Gummigurten mit Federkern. Darauf kommen Schaumstoff, Watte und der Stoff. Ein solcher Sitz ist an einem Tag fertig und lässt sich am zweiten und dritten Stuhl exakt gleich wiederholen, weshalb er bei mehreren identischen Möbeln die naheliegende Lösung ist. Bei einem Sofa unterschiedlicher und länger wie ein Tag.
Wie lange ein Sitzpolster trägt, hängt an der Dichte des Schaums. Günstige Ware liegt bei 25 bis 30 Kilogramm pro Kubikmeter, Werkstattqualität bei 30 bis 50. Von aussen ist davon nichts zu erkennen. Bemerkbar macht es sich erst nach ein paar Jahren, wenn eine Seite eine Kuhle hat.
Aufbau mit Federn und Naturfaser
Hier wächst das Polster in vielen Lagen. Jutegurte, Stahlfedern, die von Hand miteinander verschnürt werden, darüber ein Federtuch, dann Kokos- oder Elancrinfaser, zuoberst Rosshaar, Baumwollwatte, Stoff. Die Form wird nicht geschnitten, sondern gestopft und mit Juteschnur abgenäht.
Das braucht Zeit. Bei einem Stuhl oder Sessel etwa das Doppelte der modernen Variante, ab Sofagrösse steigt der Aufwand stark an. Dafür lässt sich ein solches Polster nach dreissig Jahren nachziehen und ergänzen, statt es zu ersetzen.
Was im Alltag den Unterschied macht
- Sitzgefühl: Schaum gibt unter dem Gewicht nach, Federn tragen und kommen zurück
- Standzeit: rund 15 bis 25 Jahre gegenüber 40 Jahren und mehr
- Reparatur: Schaum wird getauscht und entsorgt, Naturfaser wird ergänzt und nachgestopft
- Härte: beim Schaum über die Materialwahl steuerbar, bei Federn beim Aufbau festgelegt
- Preis: ab Stuhl rund doppelt so hoch für die klassische Variante, ab Sofa deutlich mehr
Woran Sie erkennen, was in Ihrem Möbel steckt
Kippen Sie das Stück kurz und werfen Sie einen Blick auf den Boden. Jutegurte im Kreuzverband und darunter sichtbare Sprungfedern gehören zur klassischen Bauweise. Ein glatter Boden mit Wellenfedern oder breiten Gummigurten gehört zur modernen.
Ein zweites Indiz ist das Gewicht. Federn, Jute und Naturfaser bringen bei gleicher Grösse spürbar mehr auf die Waage als Schaum.
Welche Variante sich lohnt
Bei einem zusammengeschraubten Serienmöbel aus Spanplatte rechnet sich eine Handpolsterung nicht, weil der Rahmen für die Zugkräfte der Federn gar nicht ausgelegt ist. Bei einem alten, verzapften Holzrahmen sieht es anders aus, und bei einem Stück aus dem Familienbesitz erst recht. Zwei Fotos, eines von der Seite und eines vom Boden her, reichen für eine erste Einschätzung.
Welcher Aufbau bei welchem Möbel sinnvoll ist, mit Kennwerten, Entscheidungstabelle und den häufigsten Fragen aus der Werkstatt, steht ausführlich im Beitrag modernes und klassisches Polster im Vergleich auf der Website von 3inDesign.