Werkstoffcharakter von Aethoxylinharzen
Epoxidbasierte Harze gehören zu den Reaktionsharzen. Im unvernetzten Zustand liegen sie als Harzsysteme vor, die mit passenden Härtern, Beschleunigern oder weiteren Formulierungsbestandteilen eingestellt werden. Während der Aushärtung entsteht ein engmaschig vernetztes Polymernetzwerk. Dieses Werkstoffverhalten unterscheidet EP-Systeme grundlegend von Thermoplasten, die nach Erwärmung erneut verformbar bleiben.
Typische Einsatzkontexte in der Kunststoffverarbeitung
Aethoxylinharze werden dort eingesetzt, wo Kleben, Giessen, Laminieren, Vergiessen oder Beschichten im Vordergrund stehen. Typische Anwendungen finden sich in faserverstärkten Verbundwerkstoffen, in elektrischen und elektronischen Vergussmassen, in strukturellen Klebstoffsystemen sowie in technischen Beschichtungen. Die Auswahl richtet sich unter anderem nach Viskosität, Reaktivität, Verarbeitungsfenster und den Anforderungen an den ausgehärteten Werkstoff.
Formulierungen, Aushärtung und Systemaufbau
EP-Systeme werden nicht nur über das Basisharz definiert, sondern über das gesamte Formulierungs- und Härtungskonzept. Relevant sind unter anderem die Kombination mit Härtern, Füllstoffen, Verstärkungen, Additiven und gegebenenfalls Lösungsmitteln oder reaktiven Verdünnern. Je nach System entstehen unterschiedliche Eigenschaften bei Steifigkeit, Zähigkeit, Temperaturverhalten, chemischer Beständigkeit oder elektrischer Isolation. Auch die Aushärtung bei Raumtemperatur oder unter Wärmeeinwirkung beeinflusst Verarbeitung und Endzustand.
Einordnung innerhalb der Spezialpolymere
Innerhalb der Spezialpolymere stehen Aethoxylinharze für reaktive, vernetzende Harzsysteme und nicht für klassische schmelzverarbeitbare Hochleistungsthermoplaste wie PEEK, PEI, PPS oder PC. Gegenüber Polyacetalen oder Ionomeren ist daher nicht primär die Granulatverarbeitung, sondern das Reaktions- und Härtungsverhalten entscheidend. Von Silikonen unterscheiden sich EP-Systeme durch eine andere chemische Basis und typische Eigenschaftsprofile. So ist die Leistung fachlich näher bei reaktiven Harzsystemen als bei thermoplastischen Konstruktionskunststoffen einzuordnen.