Was Ionisationssysteme an Kunststoffoberflächen bewirken
Bei vielen Kunststoffprozessen entstehen elektrostatische Ladungen, etwa beim Abwickeln, Fördern, Schneiden, Stapeln oder Vereinzeln. Ionisationssysteme erzeugen geladene Teilchen in der Umgebungsluft, die diese Oberflächenladung ausgleichen. Dadurch lassen sich anhaftender Staub, unkontrollierte Anziehungseffekte zwischen Teilen sowie elektrostatisch bedingte Entladungen im Prozess verringern. Die Systeme werden meist dort eingeordnet, wo saubere Oberflächen, stabiler Materiallauf oder eine definierte Weiterverarbeitung gefordert sind.
Typische Einsatzstellen in Verarbeitung, Recycling und Oberflächenauftrag
Ionisationssysteme kommen an Bahnprozessen wie Folien- und Plattenlinien, an Spritzguss- und Thermoformteilen sowie bei Verpackungs- und Förderstrecken zum Einsatz. In Recyclingprozessen werden sie genutzt, um aufgeladene Mahlgüter, Flakes oder Oberflächen vor nachfolgenden Schritten zu beruhigen. Vor Druck, Beschichtung, Laminierung oder anderen Oberflächenprozessen können sie die Voraussetzung für eine gleichmässigere Bearbeitung verbessern, weil weniger Staub an der Oberfläche haftet. Auch bei der Vereinzelung leichter Kunststoffteile oder beim Stapeln transparenter Teile werden sie eingesetzt, wenn Aufladung das Handling beeinflusst.
Ausführungen nach Einbauort und Prozessanforderung
Je nach Anlage werden Ionisationssysteme als fest integrierte oder nachrüstbare Einheiten ausgeführt. Üblich sind Lösungen für bahnförmige Materialien, für punktuelle Behandlungsstellen oder für dreidimensionale Teile in Förder- und Handhabungsprozessen. Die Auswahl richtet sich unter anderem nach Abstand zur Oberfläche, Materialgeschwindigkeit, Bauteilgeometrie, Umgebungsbedingungen und verfügbarem Bauraum. In der Praxis werden Ionisationssysteme häufig mit Absaugung, Reinigung oder Materialhandling kombiniert, wenn nicht nur die Ladung neutralisiert, sondern zugleich Staub abgeführt oder der Prozess stabilisiert werden soll.
Abgrenzung zu Entstaubung, Bahnreinigung und Coronavorbehandlung
Ionisationssysteme entfernen Verschmutzungen nicht automatisch, sondern beseitigen in erster Linie die elektrostatische Ursache, durch die Partikel an der Oberfläche haften oder Teile unkontrolliert reagieren. Im Unterschied zu Entstaubungsanlagen oder Bahnreinigungsanlagen steht daher nicht das mechanische oder lufttechnische Abtragen von Partikeln im Vordergrund. Von Befeuchtungsapparaten unterscheiden sie sich dadurch, dass sie die Aufladung direkt neutralisieren und nicht primär über die Veränderung der Umgebungsfeuchte wirken. Coronavorbehandlungsgeräte verfolgen ein anderes Ziel: Sie verändern die Oberflächenspannung für nachfolgende Druck-, Kleb- oder Beschichtungsprozesse, während Ionisationssysteme die elektrostatische Aufladung reduzieren.