Aufbau und Funktionsprinzip von Fahrständerbearbeitungszentren
Bei einem Fahrständerbearbeitungszentrum verfährt der Maschinenständer über den Bearbeitungsbereich, während das Werkstück auf einem Tisch, Bett oder einer grossen Aufspannfläche positioniert ist. Dieses Maschinenkonzept ist auf lange Verfahrwege und die Bearbeitung ausgedehnter Bauteile ausgelegt. Je nach Ausführung können mehrere Achsen, unterschiedliche Spindelköpfe oder schwenkbare Einheiten integriert sein. Entscheidend ist die Kombination aus grosszügigem Arbeitsraum, steifer Maschinenstruktur und einer Geometrie, die auf grossformatige Zerspanung abgestimmt ist.
Typische Werkstücke und Fertigungssituationen
Eingesetzt werden Fahrständerbearbeitungszentren unter anderem für Maschinenbetten, Rahmen, Platten, Strukturbauteile, Gehäuse oder lange prismatische Komponenten. Sie kommen dort in Frage, wo das Werkstück wegen Abmessung, Masse oder Aufspannaufwand nicht wirtschaftlich häufig umgesetzt werden soll. In der Praxis werden sie für Fräs-, Bohr- und gegebenenfalls Gewindebearbeitungen an grossen Einzelteilen oder Kleinserien genutzt. Auch bei Bauteilen mit mehreren Bearbeitungszonen entlang einer grossen Länge ist dieses Maschinenkonzept naheliegend.
Ausführungen nach Achskonzept, Tischlösung und Bearbeitungskopf
Fahrständerbearbeitungszentren unterscheiden sich unter anderem nach Achszahl, Arbeitsraum, Tischkonzept und Art des Bearbeitungskopfs. Je nach Anwendung können starre oder schwenkbare Köpfe, unterschiedliche Spindelausrichtungen sowie verschiedene Aufspannlösungen vorgesehen sein. Ebenso variiert, ob der Fokus auf langen Werkstücken, hohen Werkstückgewichten oder auf möglichst flexiblen Bearbeitungswinkeln liegt. Damit reicht die Bandbreite von eher geradlinig ausgelegten Maschinen für grosse Flächen bis zu komplexeren Anlagen mit erweiterten Bewegungsachsen.
Abgrenzung zu anderen Bearbeitungszentren
Innerhalb der Kategorie Bearbeitungszentren bilden Fahrständerbearbeitungszentren eine Bauart, die vor allem über den verfahrbaren Ständer und den grossen Bearbeitungsbereich definiert ist. Von Vertikal- und Horizontalbearbeitungszentren unterscheiden sie sich nicht primär durch die Spindelorientierung, sondern durch das Maschinenlayout für grosse Werkstücke. Gegenüber 5-Achsen-, 6-Achsen- oder 7-Achsen-Bearbeitungszentren beschreibt der Begriff Fahrständer zunächst die Bauform und nicht den Umfang der simultanen Bewegungsachsen. Zu Grossbearbeitungszentren besteht eine inhaltliche Nähe, wobei Fahrständerbearbeitungszentren eine konkrete konstruktive Ausprägung innerhalb dieses Umfelds darstellen können.