Funktionsprinzip der hydrostatischen Lagerung
Bei hydrostatisch gelagerten Spindeln wird ein Druckmedium gezielt in den Lagerspalt eingeleitet. Der tragende Film entsteht nicht erst durch die Rotation, sondern durch eine externe Druckversorgung. Dadurch lassen sich radiale und je nach Ausführung auch axiale Kräfte über den Fluidfilm aufnehmen. Die Lagerung arbeitet mit sehr geringer direkter Berührung der Flächen, was Reibung und Verschleiss im Lagerbereich reduziert.
Einsatz in Präzisions- und Werkzeugmaschinen
Hydrostatisch gelagerte Spindeln kommen vor allem in Maschinen mit hohen Anforderungen an Rundlauf, Schwingungsverhalten und gleichmässigen Lauf zum Einsatz. Typische Kontexte sind Bearbeitungsmaschinen, Schleifprozesse, Messanwendungen und andere präzise Rotationsbewegungen. Ein wesentlicher Anwendungsfall ist der Betrieb bei niedrigen Drehzahlen oder Lastwechseln, bei denen ein tragfähiger Schmierfilm von Beginn an benötigt wird.
Konstruktive Ausführungen und Systembestandteile
Die Auslegung unterscheidet sich nach Lagergeometrie, Lastaufnahme und Einbaukonzept. Üblich sind radiale, axiale oder kombinierte Lageranordnungen innerhalb einer Spindeleinheit. Zum Gesamtsystem gehören neben der Spindel auch die Druckversorgung, die Zuführung des Mediums, die Aufbereitung des Mediums und die Überwachung betriebsrelevanter Zustände. Die konkrete Ausführung richtet sich nach Last, Drehzahl, Genauigkeitsanforderung und thermischem Verhalten der Maschine.
Abgrenzung innerhalb der Spindeltechnik
Innerhalb der übergeordneten Leistung Spindeln sind hydrostatisch gelagerte Spindeln klar von Gewindespindeln, Trapezgewindespindeln und Kugelrollspindeln zu trennen, da diese primär zur linearen Kraft- und Bewegungsübertragung dienen. Gegenüber Hochfrequenzspindeln beschreibt die hydrostatische Lagerung vor allem das Lagerprinzip und nicht in erster Linie den Drehzahlbereich oder die Antriebsart. Von pneumatisch gelagerten Spindeln unterscheiden sie sich durch das verwendete Medium: Statt Luft wird ein Flüssigkeitsfilm eingesetzt, was andere Anforderungen an Versorgung, Dämpfung und Systemaufbau mit sich bringt.