Was mit Ausbreitungsrechnungen modelliert wird
Gegenstand der Ausbreitungsrechnung ist die räumliche und zeitliche Verteilung einer Freisetzung. Berechnet werden je nach Fragestellung unter anderem Konzentrationen in der Luft, Ausdehnung einer Wolke, Aufenthaltsdauer in betroffenen Bereichen oder die Reichweite einer Einwirkung. Solche Modelle bilden reale Verhältnisse nicht vollständig ab, sondern nähern ein Szenario mit definierten Randbedingungen an.
Typische Einsatzfelder in der Verfahrens- und Anlagensicherheit
Ausbreitungsrechnungen werden für Störfallszenarien, Emissionsbetrachtungen und sicherheitstechnische Standortbeurteilungen eingesetzt. Sie dienen dazu, mögliche Auswirkungen einer Leckage, einer kontrollierten Freisetzung oder eines Brandereignisses auf Nachbarbereiche, Verkehrswege oder die Umgebung abzuschätzen. Ebenso können sie als Grundlage für Sicherheitsabstände, Alarmierungszonen oder organisatorische Massnahmen herangezogen werden.
Eingabedaten, Randbedingungen und Ergebnisformen
Die Aussagekraft hängt von den verwendeten Eingangsdaten ab. Dazu gehören insbesondere Quelle und Dauer der Freisetzung, Stoffdaten, Austrittsbedingungen, meteorologische Annahmen sowie Gelände- und Gebäudeeinflüsse. Ergebnisse werden je nach Aufgabenstellung als Karten, Konzentrationsverläufe, betroffene Flächen oder Szenarien mit unterschiedlichen Wetterlagen dargestellt. Häufig werden mehrere Annahmen verglichen, um die Bandbreite möglicher Entwicklungen sichtbar zu machen.
Abgrenzung zu Risikoanalyse, Risikokarten und chemischen Analysen
Ausbreitungsrechnungen sind ein Werkzeug innerhalb von Analysen, Beratung, Gutachten und Planung. Im Unterschied zur Risikoanalyse bewerten sie nicht die Eintrittswahrscheinlichkeit oder das Gesamtrisiko eines Ereignisses, sondern die mögliche räumliche Wirkung eines definierten Szenarios. Risikokarten fassen Ergebnisse mehrerer Betrachtungen kartografisch zusammen, während chemische Analysen Stoffe messtechnisch bestimmen. Sicherheitskonzepte und die Ausbildung von Notfallorganisationen bauen häufig auf den Resultaten solcher Berechnungen auf, sind aber eigene Leistungen.