Transienten in Energie- und Signalkreisen beherrschen
Unter Ueberspannungsschutz fallen technische Massnahmen und Schutzgeraete, die kurzzeitige Spannungsanstiege ableiten oder auf ein fuer Betriebsmittel vertragbares Niveau begrenzen. Solche Ereignisse entstehen unter anderem durch Schalthandlungen, induktive oder kapazitive Einkopplungen sowie durch Auswirkungen von Blitzeinwirkungen. In der Praxis wird der Schutz auf die jeweilige Leitung und die Empfindlichkeit der angeschlossenen Geraete abgestimmt. Relevant sind deshalb nicht nur Einspeisungen, sondern auch analoge Messkreise, Bussysteme, Ethernet-Strecken oder Fernwirkverbindungen.
Einsatzorte in Energie- und Umweltanlagen
Typische Anwendungsbereiche sind Schaltanlagen, Unterverteilungen, Leitsysteme, Messstationen, Pumpwerke, Wasser- und Abwasseranlagen sowie dezentrale Energieanlagen. Besonders stoeranfaellig sind Standorte mit langen Leitungswegen, verteilten Feldgeraeten oder Ausseninstallationen. Auch Schnittstellen zwischen Gebaeuden, Anlagenteilen oder Versorgungsebenen erfordern oft ein abgestimmtes Schutzkonzept. In Mess-, Regel- und Ueberwachungssystemen dient Ueberspannungsschutz nicht nur dem Geraeteschutz, sondern auch der Verfuegbarkeit von Messwerten und Steuerfunktionen.
Schutzstufen fuer Einspeisung, Verteilung und Endgeraete
Ueberspannungsschutz wird meist abgestuft aufgebaut. Anlageneintritt, Verteilung und geraetenahe Bereiche werden je nach Risiko und Leitungsfuehrung mit passenden Schutzstufen ausgeruestet. Dabei sind Stromversorgungen anders zu behandeln als Daten-, Signal- oder Kommunikationsleitungen, weil sich Betriebsparameter und Stoerbeanspruchungen unterscheiden. In komplexeren Anlagen entsteht daraus ein koordiniertes Schutzkonzept, das Potentialausgleich, Leitungsfuehrung und die Auswahl der Schutzgeraete gemeinsam betrachtet.
Abgrenzung zu Blitzschutz, Netzfilter und USV-Anlagen
Ueberspannungsschutz ist innerhalb der Sicherheitsfunktionen klar von anderen Leistungen zu trennen. Blitzschutz befasst sich mit aeußerem und innerem Schutz gegen direkte oder indirekte Blitzeinwirkungen auf Bauwerke und Anlagen; Ueberspannungsschutz konzentriert sich auf die Begrenzung transienter Ueberspannungen in konkreten Strom- und Signalkreisen. Netzfilter reduzieren vor allem stoerende Frequenzanteile und leitungsgebundene EMV-Effekte, ersetzen aber keinen Schutz gegen energiereiche Spannungsspitzen. USV-Anlagen sichern die Stromversorgung bei Ausfall oder Unterbruch, waehrend sie den Ueberspannungsschutz nur ergaenzen koennen. Gegenueber NEMP-Schutz ist Ueberspannungsschutz breiter fuer den regulaeren Anlagenbetrieb ausgelegt und nicht auf spezielle EMP-Szenarien beschraenkt.