Verfahrensprinzip beim GFK-Schleudern
Eine Form rotiert um ihre Achse, während Harz und Glasverstärkung in definierter Weise eingebracht werden. Durch die Rotation legt sich das Material an die Innenwand der Form an, verdichtet sich und bildet den späteren Wandaufbau. Die Bauteileigenschaften werden dabei unter anderem durch Drehzahl, Materialauftrag, Harzsystem und Aushärtebedingungen beeinflusst.
Geeignete Bauteile und typische Geometrien
Das Verfahren eignet sich vor allem für rohrförmige, ringförmige oder andere rotationssymmetrische Hohlkörper. Es wird eingesetzt, wenn eine gleichmässige Umfangsausbildung und ein definierter Wandaufbau über die Bauteillänge gefragt sind. Für stark verwinkelte Geometrien oder offene Freiformflächen ist Schleudern in der Regel nicht das naheliegende Verfahren.
Materialaufbau, Wandstruktur und Oberflächen
Beim Schleudern lassen sich Schichtaufbau und Wanddicke über den Materialeintrag und die Prozessführung steuern. Je nach Anforderung kann der Fokus auf chemischer Beständigkeit, mechanischer Belastbarkeit oder einer bestimmten Oberflächenqualität liegen. Relevant sind dabei die Auswahl der Glasverstärkung, des Harzsystems und die Anordnung funktionaler Schichten innerhalb des Bauteilquerschnitts.
Abgrenzung zu Wickeln, Laminieren und Pressverfahren
Innerhalb der Verarbeitung verstärkter Kunststoffe unterscheidet sich Schleudern klar von Wickelverfahren: Beim Wickeln werden Verstärkungen gezielt um einen Kern oder auf ein Werkzeug gelegt, beim Schleudern formt die Fliehkraft den Materialverbund in der rotierenden Form. Gegenüber Faserspritzen und Laminieren ist das Verfahren stärker auf geschlossene, rotationssymmetrische Bauteile ausgerichtet. Im Unterschied zu SMC-, BMC- oder anderen Pressverfahren steht nicht das Verpressen in einer Formhälfte im Vordergrund, sondern der schichtweise Aufbau an der Innenwand eines rotierenden Werkzeugs.