Was bei der Brennbarkeit von Kunststoffen geprüft wird
Die Prüfung untersucht nicht nur, ob ein Kunststoff brennt, sondern wie er auf eine definierte Beanspruchung reagiert. Relevant sind etwa die Zeit bis zur Entzündung, die Dauer des Weiterbrennens nach Entfernen der Zündquelle, die Ausbreitung der Flamme entlang des Prüfkörpers und das Verhalten von Schmelze oder Tropfen. Das Ergebnis hängt vom Werkstoff selbst, von seiner Rezeptur und von der Geometrie der Probe ab.
Typische Einsatzkontexte für Brennbarkeitsprüfungen
Brennbarkeitsdaten werden benötigt, wenn Kunststoffe in Anwendungen mit erhöhten Anforderungen an das Brandverhalten eingesetzt werden. Dazu zählen beispielsweise Gehäuse, Verkleidungen, technische Formteile, Komponenten im Fahrzeuginnenraum oder Bauteile in elektrischen und elektronischen Anwendungen. Auch bei Materialvergleichen, bei Rezepturänderungen und bei der Substitution bestehender Werkstoffe ist die Brennbarkeit ein eigenes Prüffeld.
Prüfansätze und Einflussfaktoren
Je nach Fragestellung kommen unterschiedliche Prüfansätze zum Einsatz, etwa zur Entzündbarkeit, zur Flammenausbreitung oder zum Nachbrennverhalten. Bewertet werden kann das Verhalten bei verschiedener Probenlage, unter definierter Flammeneinwirkung oder unter anderen thermischen Belastungen. Einfluss auf das Ergebnis haben unter anderem Probendicke, Feuchtegehalt, Füllstoffe, Verstärkungen, Flammschutzadditive und die Konditionierung vor der Prüfung.
Abgrenzung innerhalb der thermischen Eigenschaften
Brennbarkeit gehört innerhalb der Werkstoffcharakterisierung zu den thermischen Eigenschaften, beschreibt aber eine andere Fragestellung als Schmelztemperatur, Vicat-Erweichungstemperatur oder Längenausdehnungskoeffizient. Diese Kennwerte erfassen das Verhalten bei Erwärmung, Erweichung oder Temperaturänderung ohne direkten Bezug zur Entzündung oder Flammenausbreitung. Brennbarkeit betrachtet dagegen die Reaktion des Kunststoffs auf brandrelevante Beanspruchung und wird deshalb gesondert geprüft und bewertet.