Was bei Kunststoffen mit Schmelztemperatur gemeint ist
Bei teilkristallinen Kunststoffen bezieht sich die Schmelztemperatur auf den Uebergang der kristallinen Anteile in die Schmelze. Anders als bei reinen Stoffen liegt bei Polymeren oft ein Schmelzbereich vor, der von Molekularstruktur, Kristallinitaet und thermischer Vorgeschichte beeinflusst wird. In Pruefberichten wird deshalb haeufig zwischen Beginn, Maximum und Ende des Schmelzens unterschieden.
Typische Einsatzfelder der Bestimmung
Die Bestimmung der Schmelztemperatur wird fuer Materialauswahl, Verarbeitungsfenster und Qualitaetsvergleiche herangezogen. Sie ist relevant bei Spritzguss, Extrusion, Schweissen von Thermoplasten sowie bei der Bewertung von Wareneingaengen, Rezepturaenderungen oder Recyclingmaterial. Auch in der Schadensanalyse kann sie Hinweise auf Materialverwechslungen, Abbau oder Veraenderungen der Kristallstruktur liefern.
Messinterpretation bei Polymeren
Je nach Werkstoff koennen ein einzelner Schmelzpeak, mehrere Peaks oder ein breiter Schmelzbereich auftreten. Solche Verlaeufe koennen auf unterschiedliche Kristallformen, Copolymerstrukturen, Additive oder verschiedene Abkuehlbedingungen hinweisen. Fuer die Auswertung ist deshalb entscheidend, unter welchen Bedingungen gemessen wurde und ob etwa die erste oder eine nach definierter thermischer Behandlung aufgezeichnete Erwaermung beurteilt wird.
Abgrenzung zu anderen thermischen Kennwerten
Innerhalb der Werkstoffcharakterisierung nach thermischen Eigenschaften beschreibt die Schmelztemperatur das Schmelzverhalten teilkristalliner Kunststoffe. Sie ist von der Vicat-Erweichungstemperatur zu unterscheiden, die das Erweichungsverhalten unter Last bewertet, und ebenso von der Brennbarkeit, die das Verhalten bei Flammeneinwirkung beschreibt. Der Laengenausdehnungskoeffizient erfasst dagegen die Massaenderung bei Temperaturwechsel. Fuer amorphe Kunststoffe ist oft keine definierte Schmelztemperatur bestimmbar; dort sind andere Kennwerte aussagekraeftiger.