Wie Zweikomponenten-Spritzgusswerkzeuge aufgebaut sind
Ein Zweikomponenten-Spritzgusswerkzeug bildet ein Bauteil in mindestens zwei aufeinander abgestimmten Form- und Einspritzschritten. Zuerst wird die erste Komponente geformt, danach wird diese im Werkzeug weiterverarbeitet und mit der zweiten Komponente ergänzt oder umspritzt. Dafür sind Kavitäten, Anspritzpunkte, Temperierung und Entformung so auszulegen, dass beide Materialien prozesssicher verarbeitet werden können und die gewünschte Verbindung oder Abgrenzung im Bauteil entsteht.
Typische Bauteile und Einsatzbereiche
Eingesetzt werden solche Werkzeuge für Griffe mit weicher Umspritzung, Gehäuseteile mit Dichtlippen, Sichtfenster, Bedien- und Funktionselemente sowie Mehrfarben-Bauteile. Auch Komponenten mit lokal unterschiedlichen mechanischen Eigenschaften lassen sich so fertigen, etwa mit steifen Trägerbereichen und elastischen Kontaktflächen. Der Nutzen liegt vor allem darin, mehrere Funktionen direkt im Spritzgussteil abzubilden, statt separate Einzelteile nachträglich zu montieren.
Werkzeugkonzepte und konstruktive Anforderungen
Je nach Bauteilgeometrie und Maschine kommen unterschiedliche Konzepte in Frage, etwa Dreh-, Index- oder Umsetzlösungen. Entscheidend sind die genaue Positionierung des Vorformlings, eine auf beide Materialien abgestimmte Temperierung sowie eine Auslegung der Anschnitt- und Fliesswege, die beide Schüsse berücksichtigt. Hinzu kommen Anforderungen an Haftung oder definierte Trennung der Materialien, an Schwindungsverhalten, Entlüftung, Entformung und die Prozessstabilität über den gesamten Zyklus.
Abgrenzung zu anderen Werkzeugarten im Spritzguss
Zweikomponenten-Spritzgusswerkzeuge sind innerhalb von Guss und Spritzguss eine spezielle Ausprägung des Formenbaus für Mehrkomponentenprozesse. Sie unterscheiden sich von klassischen Spritzgusswerkzeugen dadurch, dass nicht nur ein Materialschuss, sondern das Zusammenspiel von zwei Komponenten konstruktiv integriert wird. Von Heisskanalwerkzeugen grenzen sie sich dadurch ab, dass der Heisskanal nur ein Teil der Werkzeugtechnik sein kann, aber nicht den Mehrkomponentenprozess selbst beschreibt. Gegenüber Alu-Spritzgussformen, Druckgussformen oder Blasformen gehören sie klar zum Kunststoff-Spritzguss und nicht zu metallischen Gussverfahren oder zum Blasformen.