Verfahrensprinzip beim thermischen Entgraten
Beim thermischen Entgraten werden Grate durch eine kontrollierte, kurzzeitige thermische Einwirkung abgetragen. Dabei reagieren vor allem die sehr feinen, dünn ausgebildeten Gratstrukturen, während der wesentlich grössere Materialquerschnitt des Bauteils weitgehend erhalten bleibt. Das Verfahren ist auf die Entgratung ausgelegt und ersetzt keine spanende Nachbearbeitung an Form- oder Funktionsflächen.
Typische Bauteile aus der spanabhebenden Fertigung
Eingesetzt wird das Verfahren bei Werkstücken mit schwer zugänglichen Innenkonturen, Querbohrungen, Sacklöchern, Kanalgeometrien oder Mehrfachbohrungen. Typisch sind Bauteile, bei denen Grate an mehreren Austrittskanten gleichzeitig auftreten. Thermisches Entgraten eignet sich besonders dann, wenn viele Kanten in einem Schritt behandelt werden sollen und eine rein manuelle Nacharbeit unverhältnismässig wäre.
Geeignete Gratgrössen und prozessrelevante Grenzen
Thermisches Entgraten ist vor allem für feine bis mittlere Grate geeignet. Ob ein Bauteil prozessfähig ist, hängt unter anderem von Werkstoff, Wandstärke, Gratgeometrie, empfindlichen Bereichen und den Anforderungen an die Oberfläche ab. Je nach Material und Folgeprozess kann nach dem Entgraten eine Reinigung oder eine zusätzliche Behandlung erforderlich sein, etwa wenn Reaktionsrückstände oder Oberflächenveränderungen nicht zulässig sind.
Abgrenzung zu mechanischen, chemischen und elektrochemischen Methoden
Im Unterschied zu mechanischem Entgraten arbeitet das thermische Verfahren ohne direkten Werkzeugkontakt an der Kante. Gegenüber Gleitschleifen oder Trowalisieren ist es besser für innenliegende und nur schwer erreichbare Grate geeignet, jedoch nicht für eine gezielte Kantenverrundung über die gesamte Aussenkontur. Chemische sowie elektrochemische oder elektrolytische Verfahren tragen Material über Reaktion und Stromfluss ab und werden eher dort eingesetzt, wo eine selektivere Bearbeitung einzelner Bereiche gefragt ist.