Konstruktiver Aufbau von Schrägseilbrücken
Kennzeichnend ist die direkte Verbindung zwischen Überbau und Pylon durch Schrägseile. Die Seile stehen unter Zug, die Pylone nehmen vorwiegend Druckkräfte auf, und der Überbau wirkt je nach System als biege- und druckbeanspruchtes Bauteil. Anders als bei Brücken mit durchgehendem Tragseil wird der Überbau nicht über senkrechte Hänger an einem Hauptkabel aufgehängt, sondern unmittelbar durch die geneigten Seile gestützt.
Typische Einsatzbereiche im Tiefbau
Schrägseilbrücken werden vor allem dort eingesetzt, wo grössere Spannweiten mit wenigen Zwischenstützen erforderlich sind. Das ist beispielsweise bei Querungen von breiten Flüssen, Schifffahrtsrouten, Bahntrassen oder tief eingeschnittenen Tälern der Fall. Die Bauart eignet sich für Situationen, in denen ein stützenarmer oder stützenfreier Bereich unter der Brücke betrieblich oder topografisch sinnvoll ist.
Seilanordnung und bauliche Varianten
Schrägseilbrücken unterscheiden sich unter anderem in der Anordnung der Seile und in der Ausbildung des Überbaus. Üblich sind fächerförmige, harfenförmige oder dazwischenliegende Seilschemata. Ebenso variieren Anzahl und Stellung der Pylone sowie die Materialkombination des Überbaus, etwa in Stahl, Beton oder Verbundbauweise. Je nach Linienführung und Randbedingungen sind symmetrische und asymmetrische Lösungen möglich.
Abgrenzung zu Hängebrücken und anderen Brückenarten
Innerhalb der Brückenarten sind Schrägseilbrücken klar von Hängebrücken zu unterscheiden: Bei Hängebrücken trägt ein Hauptkabel, das über Pylone geführt und an den Enden verankert wird, den Überbau über Hänger. Bei Schrägseilbrücken übernehmen die einzelnen Schrägseile diese Tragfunktion direkt. Gegenüber Balken-, Rahmen- oder Bogenbrücken ist die Seiltragwirkung das prägende Merkmal. Die Einordnung als eigene Art im Brückenbau ergibt sich daher aus dem Tragprinzip und nicht nur aus der äusseren Form.