Funktion von Bindemitteln im Umgang mit flüssigen Gefahrstoffen
Bindemittel nehmen ausgetretene Flüssigkeiten auf oder fixieren sie an ihrer Oberfläche, damit sie sich nicht weiter ausbreiten. Bei Ölprodukten steht meist die Aufnahme hydrophober Medien im Vordergrund, bei Chemikalien die Verträglichkeit mit Säuren, Laugen oder anderen problematischen Stoffen. Im Bereich Abwasser dient der Einsatz dazu, Verunreinigungen lokal zu begrenzen und den Stoffaustrag in Rinnen, Schächte, Becken oder Bodenflächen zu reduzieren.
Typische Einsatzorte in Abwasser- und Behandlungsanlagen
Verwendet werden Bindemittel unter anderem an Lagerplätzen für Betriebsstoffe, in Chemikalienräumen, an Dosierstationen, bei Umschlag- und Abfüllvorgängen sowie in Werkstatt- und Wartungsbereichen. Sie kommen auch bei Störungen an Pumpen, Leitungen, Gebinden oder Armaturen zum Einsatz. In der Praxis werden sie häufig als Teil der Erstmassnahmen genutzt, bevor kontaminierte Medien aufgenommen, getrennt oder fachgerecht entsorgt werden.
Formen und materialbezogene Unterschiede
Bindemittel sind je nach Anwendung als loses Granulat, Tücher, Matten, Rollen, Kissen oder Sperren verfügbar. Lose Produkte eignen sich vor allem für punktuelle Verschmutzungen auf Flächen, während formstabile Elemente zum Umfassen, Unterlegen oder Abschotten verwendet werden. Fachlich zu unterscheiden sind ölselektive Ausführungen für Kohlenwasserstoffe und universelle oder chemikalienbeständige Produkte für breitere Stoffgruppen. Welche Variante geeignet ist, hängt von Medium, Untergrund, Kontaktzeit und Sicherheitsanforderungen ab.
Abgrenzung zu Chemikalien, Dosiertechnik und Dekontaminierung
Bindemittel für Chemikalien und Öl sind keine Prozesschemikalien zur planmässigen Abwasserbehandlung. Im Unterschied zu Chemikalien zur Abwasserbehandlung werden sie nicht dosiert, um pH-Wert, Fällung oder Reaktion im Behandlungsprozess zu steuern. Gegenüber Dosiereinrichtungen und Anlagen zur chemischen Abwasserreinigung handelt es sich um Hilfsmittel für Aufnahme und Eindämmung ausserhalb oder am Rand des eigentlichen Verfahrens. Von Dekontaminierungsanlagen unterscheiden sie sich dadurch, dass sie kontaminierte Flüssigkeiten binden, aber keine vollständige Reinigungs- oder Dekontaminationsstufe ersetzen.