Funktion von Entgasungsanlagen im Abwasserprozess
Bei der Entgasung werden unerwünschte Gaskomponenten aus einer Flüssigkeit ausgetragen oder abgeschieden. Das kann notwendig sein, wenn gelöste Gase die Reaktionsbedingungen beeinflussen, Messwerte verfälschen oder in nachgeschalteten Aggregaten zu Betriebsproblemen führen. Je nach Verfahren erfolgt die Gasabtrennung durch Druckänderung, Kontakt mit Luft oder Inertgas, spezielle Einbauten oder verfahrenstechnische Kombinationen mit chemischer Konditionierung. Neben dem Flüssigkeitsstrom ist auch die sichere Erfassung und Behandlung der abgetrennten Gase Teil der Anlagenauslegung.
Typische Einsatzbereiche in Abwasser- und Prozesswasseranlagen
Entgasungsanlagen finden sich in industriellen Abwasseranlagen, in Teilströmen mit erhöhter Gasbelastung sowie in Prozesswässern vor sensiblen Behandlungsstufen. Typische Gründe sind die Entfernung geruchsintensiver oder korrosiver Gase, die Stabilisierung von pH-abhängigen Prozessen oder die Entlastung nachgeschalteter Apparate. Sie werden auch dort eingesetzt, wo Gasblasen Pumpen, Sensorik, Dosiergenauigkeit oder Abscheideprozesse beeinträchtigen. In komplexen Anlagen sind sie häufig in Vorbehandlung, Zwischenbehandlung oder in geschlossenen Kreisläufen integriert.
Verfahrensarten und technische Ausprägungen
Entgasungsanlagen können als einfache Entgasungsstufe für einzelne Teilströme oder als integrierte Verfahrenseinheit innerhalb einer mehrstufigen Behandlung aufgebaut sein. Verbreitete Ansätze sind Strippverfahren, Vakuumentgasung oder Behälter- und Kolonnensysteme mit definierten Kontaktzonen. Die Auswahl hängt unter anderem von Gasart, Konzentration, Temperatur, Druckverhältnissen und den Anforderungen an den nachfolgenden Prozess ab. Bei kritischen Stoffen wird die Entgasung oft mit Gaswäschern, Aktivkohle, Fackelsystemen oder anderen Abluftbehandlungen kombiniert.
Abgrenzung zu anderen Leistungen der chemischen Behandlung
Entgasungsanlagen zielen auf die Entfernung gasförmiger oder gelöster Bestandteile aus dem Wasserstrom. Sie unterscheiden sich damit von Entchlorungsanlagen, die gezielt Chlor oder chlorhaltige Oxidationsmittel chemisch abbauen, sowie von Neutralisationsanlagen CO2, bei denen der pH-Wert durch gezielte Kohlendioxid-Zugabe eingestellt wird. Auch Ionenaustauscher, Enthärtungsanlagen oder Enteisenungs- und Entmanganungsanlagen verfolgen andere Trenn- oder Umwandlungsziele im Wasser. Innerhalb der Hierarchie unter Chemische Behandlung ist die Entgasung dort einzuordnen, wo Gasentfernung direkt für die chemische Prozessführung oder die Betriebssicherheit relevant ist.