Funktionsprinzip von Eindampfanlagen
Bei einer Eindampfanlage wird das zu behandelnde Abwasser erhitzt, sodass Wasser oder andere flüchtige Bestandteile verdampfen. Der Dampf wird anschliessend kondensiert und als Destillat abgezogen, während die nicht flüchtigen Inhaltsstoffe im Konzentrat verbleiben. Das Verfahren eignet sich für Abwässer mit gelösten Salzen, organischen Reststoffen, Prozesschemikalien oder Metallverbindungen, sofern deren Verhalten bei Temperatur und Konzentration in der Auslegung berücksichtigt wird. Für den Betrieb sind insbesondere Siedeverhalten, Schaumbildung, Belagsneigung und Korrosivität relevant.
Typische Einsatzbereiche in der Abwasserbehandlung
Eindampfanlagen werden meist für belastete Industrieabwässer eingesetzt, bei denen eine direkte Einleitung oder eine rein biologische Behandlung nicht ausreicht. Typische Anwendungen sind Konzentration vor externer Entsorgung, Rückgewinnung von Wasser aus Prozessabwässern oder Verringerung des zu transportierenden Restvolumens. Sie finden sich unter anderem bei galvanischen, chemischen, pharmazeutischen, metallverarbeitenden oder oberflächentechnischen Abwässern sowie bei Waschwässern mit hohem Salz- oder CSB-Gehalt. Auch in Kreislaufkonzepten werden sie eingesetzt, wenn ein verwertbares Destillat und ein definierter Reststoffstrom benötigt werden.
Ausführungen und betriebliche Varianten
Eindampfanlagen können chargenweise oder kontinuierlich betrieben werden. Je nach Anforderung kommen Ausführungen unter Atmosphärendruck oder im Vakuum zum Einsatz, um Siedepunkte zu senken und temperaturempfindliche Inhaltsstoffe schonender zu behandeln. In der Praxis gibt es einfache Verdampferstufen ebenso wie mehrstufige Systeme oder Anlagen mit Energierückgewinnung. Die geeignete Ausführung hängt von Abwassermenge, Zusammensetzung, gewünschtem Aufkonzentrierungsgrad, Energieeinsatz, Reinigbarkeit und dem Umgang mit Rückständen ab.
Abgrenzung zu verwandten Verfahren
Innerhalb der physikalischen Behandlung unterscheiden sich Eindampfanlagen von Membranverfahren wie Gegenosmose, Mikrofiltration oder Ultrafiltration dadurch, dass die Trennung nicht über eine semipermeable oder poröse Barriere, sondern über Verdampfung und Kondensation erfolgt. Gegenüber Stripp- oder Abwasserstripper-Anlagen steht nicht die gezielte Austreibung einzelner flüchtiger Stoffe im Vordergrund, sondern die Konzentration des Gesamtstroms. Zur thermischen Abwasserbehandlung besteht eine Nähe, doch Eindampfanlagen zielen in der Regel auf Volumenreduktion, Wasserabtrennung und gegebenenfalls Rückgewinnung, nicht auf eine weitergehende thermische Zersetzung. Von Vakuum-Konzentration unterscheiden sie sich nur teilweise, da Vakuumbetrieb eine mögliche Ausprägung von Eindampfanlagen sein kann.