Trennprinzipien ohne chemische Umsetzung
Unter physikalischer Abwasserbehandlung werden Verfahren zusammengefasst, die Stoffe aufgrund von Grösse, Dichte, Oberflächeneigenschaften oder Phasentrennung aus dem Wasser abtrennen. Dazu gehören unter anderem Siebe, Sedimentationsstufen, Filter und bestimmte Formen der Flotation. Im Vordergrund steht die mechanische oder physikalische Separation, nicht eine chemische Reaktion oder ein biologischer Abbauprozess.
Einsatz bei Feststoffen, Sedimenten und Leichtstoffen
Physikalische Stufen werden eingesetzt, wenn ungelöste oder frei vorliegende Bestandteile aus dem Abwasser entfernt werden sollen. Typische Beispiele sind Sand, Fasern, Metallpartikel, Schlammanteile, Schwimmstoffe sowie freie Öle und Fette. Häufig dienen sie als Vorbehandlung, um nachfolgende biologische, chemische oder membranbasierte Prozesse zu entlasten; je nach Abwasserzusammensetzung können sie aber auch eine eigenständige Reinigungsstufe sein.
Typische Verfahrensformen und Auslegung
Die konkrete Auslegung richtet sich nach Partikelgrösse, Dichteunterschieden, Durchsatz, Temperatur und der Frage, ob Stoffe frei, fein verteilt oder absetzbar vorliegen. Grobe und faserige Bestandteile werden meist über Rechen, Siebe oder Separatoren erfasst, absetzbare Fraktionen über Sedimentation und feinere Anteile über Filterstufen. Aufschwimmende Stoffe werden über Dichtetrennung oder Flotation entfernt. Neben dem gereinigten Wasserstrom entsteht dabei in der Regel ein separater Feststoff-, Schwimmstoff- oder Schlammstrom.
Abgrenzung zu verwandten Verfahren
Innerhalb der Hierarchie bezeichnet Physikalische Abwasserbehandlung eine Verfahrensklasse und keine einzelne Anlagentechnik. Abzugrenzen sind chemisch gestützte Verfahren wie Anlagen zur Flockung und Koagulation, adsorptive Systeme wie Aktivkohleanlagen sowie die Thermische Abwasserbehandlung, bei der Stoffe durch Erhitzung, Verdampfung oder Konzentration getrennt werden. Auch Flotationsanlagen, Mikrofiltrations-Anlagen, Ultrafiltrationsanlagen, Abwasserstripper oder Absorptionsanlagen beschreiben jeweils spezifische technische Lösungen, die enger gefasst sind als die übergeordnete physikalische Abwasserbehandlung oder auf andere Trennmechanismen abzielen.