Wie Flockungsmittel im Abwasser wirken
Flockungsmittel verknüpfen fein verteilte Partikel, Kolloide oder bereits ausgefällte Stoffe zu grösseren Flocken. Dadurch lassen sich Feststoffe in nachgeschalteten Stufen leichter abscheiden, etwa über Sedimentation, Flotation oder Filtration. Die Wirksamkeit hängt unter anderem von Partikelart, Konzentration, Durchmischung und Dosierung ab.
Typische Einsatzpunkte in der physikalischen Behandlung
Eingesetzt werden Flockungsmittel vor Absetzbecken, Lamellenklärern, Flotationsanlagen oder Filtrationsstufen, wenn Abwasser zu feine oder schlecht sedimentierende Partikel enthält. Auch bei industriellen Teilströmen mit Trübungen, Metallhydroxiden, Pigmenten, Fasern oder ölgebundenen Feststoffen kann eine Flockung die mechanische Abtrennung stabilisieren. In der Schlammbehandlung werden sie zudem zur Konditionierung vor Eindickung oder Entwässerung verwendet.
Polymertypen und Kriterien für die Auswahl
Gebräuchlich sind organische Polymer-Flockungsmittel in anionischer, kationischer oder nichtionischer Ausprägung; je nach Anwendung kommen auch mineralische Produkte zum Einsatz. Die Auswahl richtet sich nach Ladungsverhältnissen, Feststoffgehalt, pH-Bereich, gewünschter Flockengrösse und der nachfolgenden Trenntechnik. In der Praxis wird die Eignung meist mit Labor- oder Betriebsversuchen geprüft, weil sich die Wasserzusammensetzung direkt auf Dosierung und Flockenbildung auswirkt.
Abgrenzung zu Koagulation und zu verfahrenstechnischen Anlagen
Flockungsmittel sind Betriebsmittel und keine eigenständigen Anlagen. Von Anlagen zur Flockung und Koagulation oder von Koagulatoren unterscheiden sie sich dadurch, dass diese die Dosier-, Misch- und Reaktionsschritte technisch umsetzen, während das Flockungsmittel den Flockenaufbau stofflich unterstützt. Gegenüber Aktivkohleanlagen, Membranverfahren, Strippanlagen oder thermischen Verfahren zielt der Einsatz nicht auf Adsorption, Membrantrennung oder Stoffaustrag, sondern auf die Zusammenführung dispergierter Partikel zur anschliessenden physikalischen Abscheidung.