Wie Wärmerückgewinnung aus Abwasser funktioniert
Abwasser führt auch nach der Nutzung noch thermische Energie mit, etwa aus Duschen, Waschprozessen oder betrieblichen Abläufen. Diese Wärme kann über geeignete Wärmeübertrager entzogen und für Heizung oder Warmwasserbereitung weiterverwendet werden. Je nach Temperaturniveau der Quelle und des Zielsystems wird die gewonnene Energie direkt genutzt oder über eine Wärmepumpe auf ein höheres Temperaturniveau gebracht. Bei der Planung sind hydraulische Verhältnisse, Feststoffanteile, Ablagerungen und die Reinigbarkeit der Anlage mit zu berücksichtigen.
Typische Einsatzorte und Randbedingungen
Sinnvoll ist diese Form der Wärmerückgewinnung dort, wo regelmässig ausreichend warmes Abwasser anfällt und der Wärmebedarf zeitlich dazu passt oder über Speicher eingebunden werden kann. Das betrifft unter anderem Wohnbauten mit hohem Warmwasserverbrauch, Sport- und Pflegeeinrichtungen, gewerbliche Nutzungen oder betriebliche Prozesse. Auch im Umfeld von Kanalisationen oder grösseren Sammelsträngen kann Abwasser als Quelle geprüft werden. Entscheidend sind nicht nur die theoretisch verfügbare Wärme, sondern auch Zugänglichkeit, Betriebssicherheit, Wartungsaufwand und die Einbindung in das bestehende Energiesystem.
Technische Ausprägungen innerhalb der Abwasserwärmenutzung
Die Nutzung kann an verschiedenen Stellen des Abwasserwegs ansetzen. Innerhalb eines Gebäudes kommt etwa die Rückgewinnung aus einzelnen Abwasserströmen oder aus gesammelt anfallendem Grauwasser infrage. Auf Areal- oder Infrastrukturebene werden Lösungen betrachtet, die Wärme aus grösseren Abwasserleitungen oder Sammelsystemen entziehen. Die technische Ausführung unterscheidet sich dabei nach Einbauort, Reinigungsmöglichkeit, Materialbeanspruchung und Einbindung in die Wärmeerzeugung. Ob ein mechanisch einfaches System genügt oder eine komplexere Anlage mit Wärmepumpe und Regelung erforderlich ist, ergibt sich aus Quelle und Nutzungsziel.
Abgrenzung zu Wärmerückgewinnung aus Luft oder Gewerbekühlung
Im Unterschied zur Wärmerückgewinnung aus der Luft steht bei Abwasser meist ein flüssiger, verunreinigter Energieträger mit anderen Anforderungen an Wärmeübertragung, Hygiene und Instandhaltung im Vordergrund. Gegenüber der Wärmerückgewinnung aus Gewerbekühlung ist die Quelle weniger an Kälteanlagen oder technische Prozesse gebunden, sondern an sanitäre oder wasserführende Nutzungen. Dadurch unterscheiden sich Verfügbarkeit, Temperaturniveau und die Art der Systemeinbindung. Innerhalb der Hierarchie gehört die Leistung zur Wärmerückgewinnung und beschreibt speziell die Nutzung von Abwasser als Wärmequelle, nicht allgemein die Rückgewinnung aus beliebigen Medien.