Funktion von Fernwirksystemen in verteilten Anlagen
Ein Fernwirksystem stellt die Verbindung zwischen dezentralen Anlagenteilen und einer zentralen Stelle her. Vor Ort werden Signale aus Sensorik, Schaltzuständen oder Unterstationen aufgenommen, aufbereitet und über ein Kommunikationsnetz übertragen. In der Gegenrichtung können Befehle, Sollwerte oder Freigaben an die Aussenstation gesendet werden. Damit lassen sich Anlagen aus der Distanz überwachen und in definiertem Rahmen bedienen, ohne dass jede Station personell besetzt sein muss.
Typische Einsatzbereiche in Energie und Umwelt
Fernwirktechnik wird vor allem dort eingesetzt, wo technische Infrastruktur auf viele Standorte verteilt ist. Dazu gehören Wasser- und Abwasseranlagen, Pumpwerke, Regenbecken, Reservoirs, Energieverteilanlagen, Erfassungsstellen für Betriebsdaten sowie Umweltmessstationen. Der Nutzen liegt in der laufenden Zustandsübermittlung, der schnellen Störungsmeldung und der koordinierten Steuerung über mehrere Standorte hinweg. Besonders relevant ist dies bei weit auseinanderliegenden oder nur periodisch zugänglichen Anlagen.
Aufbau, Datenwege und Ausprägungen
Ein Fernwirksystem besteht typischerweise aus Feld- oder Unterstationen, Ein- und Ausgängen für Prozesssignale, Kommunikationseinheiten sowie der Anbindung an eine Leit- oder Auswerteplattform. Je nach Anlage werden digitale Meldungen, analoge Messwerte, Zählerstände oder Schaltbefehle übertragen. Die Kommunikation kann über fest installierte Netze oder drahtlose Verbindungen erfolgen, sofern die örtlichen und betrieblichen Anforderungen dies zulassen. Die konkrete Ausprägung richtet sich nach Anzahl der Stationen, Verfügbarkeit der Verbindungen, Reaktionszeiten und dem erforderlichen Sicherheitsniveau.
Abgrenzung zu SPS, Prozessleittechnik und Visualisierung
Fernwirksysteme sind auf die standortübergreifende Datenübertragung und Fernbedienung ausgelegt. Sie unterscheiden sich von SPS-Steuerungen, die primär die lokale Maschinen- oder Anlagenlogik vor Ort ausführen. Gegenüber Prozessleittechnik und Prozessvisualisierung liegt der Schwerpunkt nicht auf der übergeordneten Bedienoberfläche oder der umfassenden Prozessführung, sondern auf der zuverlässigen Kopplung entfernter Stationen. Auch von Zählerdaten-Auslesesystemen grenzen sich Fernwirksysteme ab, da sie nicht nur Werte erfassen, sondern je nach Auslegung auch Meldungen, Alarme und Schaltbefehle in beide Richtungen verarbeiten.