Bearbeitungsprinzip der Funkenerosion
Bei der Funkenerosion wird Material durch kontrollierte elektrische Entladungen zwischen Elektrode und Werkstück abgetragen. Voraussetzung ist ein elektrisch leitfähiges Werkstück sowie ein geeignetes Dielektrikum als Prozessmedium. Das Verfahren arbeitet ohne mechanische Schneidkraft und eignet sich deshalb für harte Werkstoffe, filigrane Innenkonturen und Geometrien, die mit zerspanenden Verfahren nur eingeschränkt erreichbar sind.
Einsatz im Werkzeug- und Formenbau für Kunststoffteile
In Kunststoffbetrieben stehen Funkenerosionsmaschinen meist nicht in der direkten Formgebung des Kunststoffs, sondern in der Herstellung der dazugehörigen Werkzeuge. Sie werden verwendet, um Formnester, Rippen, schmale Schlitze, Entlüftungen oder präzise Passungen in Werkzeugstahl zu erzeugen. Auch bei Reparaturen, Änderungen an Formeinsätzen oder der Bearbeitung gehärteter Bauteile ist das Verfahren verbreitet, weil die Werkstückgeometrie ohne hohe mechanische Belastung bearbeitet werden kann.
Verfahrensarten: Senkerodieren und Drahterodieren
Zu den gängigen Ausprägungen zählen Senkerodiermaschinen und Drahterodiermaschinen. Beim Senkerodieren wird die Form der Elektrode in das Werkstück übertragen, was sich für Kavitäten und dreidimensionale Konturen eignet. Beim Drahterodieren trennt ein elektrisch geladener Draht das Material entlang definierter Schnittbahnen und wird häufig für Einsätze, Konturen, Durchbrüche oder Präzisionsteile genutzt. Welche Variante passt, hängt von Geometrie, Werkstoff, Oberflächenanforderung und Fertigungsziel ab.
Abgrenzung zu anderen Umformmaschinen der Kunststoffbranche
Funkenerosionsmaschinen unterscheiden sich von Anlagen wie Extrusion und Blasformtechnologie, Pressen oder Rotationsformanlagen, weil sie nicht den Kunststoff selbst verarbeiten, sondern Werkzeuge und metallische Bauteile bearbeiten. Auch gegenüber Abkantgeräten, Biegegeräten oder Walzwerken liegt der Unterschied im Verfahren: Statt Umformen oder kontinuierlicher Materialverarbeitung erfolgt ein thermisch-elektrischer Materialabtrag. Innerhalb der hierarchischen Einordnung unter Umformmaschinen sind sie daher vor allem als Spezialmaschinen für die Herstellung und Anpassung von Werkzeugkomponenten relevant.