Prüfprinzip der Izod-Schlagprüfung bei Kunststoffen
Bei der Schlagprüfung nach Izod wird eine Kunststoffprobe als Kragprobe eingespannt und mit einem Pendelschlag belastet. Aus der beim Bruch oder Durchschlagen aufgenommenen Energie wird ein Kennwert für das Schlagverhalten abgeleitet. Bei gekerbten Proben konzentriert sich die Beanspruchung gezielt an einer definierten Stelle, wodurch sich die Kerbempfindlichkeit des Materials beurteilen lässt. Für belastbare Vergleiche muessen Probengeometrie, Kerbausbildung, Konditionierung und Prüfbedingungen einheitlich sein.
Typische Einsatzfelder in Entwicklung und Qualitätssicherung
Die Prüfung wird eingesetzt, wenn Kunststoffe unter schlagartiger Belastung verglichen werden sollen, etwa bei der Werkstoffauswahl, bei Compounds, bei gefüllten oder verstärkten Materialien und bei der Bewertung von Rezepturänderungen. Ebenfalls relevant ist sie bei der Prüfung von Spritzguss- oder Extrusionsproben, wenn der Einfluss von Verarbeitung, Feuchte, Temperatur oder Alterung auf das Bruchverhalten untersucht wird. In der Qualitätssicherung dient sie dazu, Materialchargen oder Prüfkörper aus definierten Herstellprozessen auf Abweichungen zu prüfen.
Varianten der Prüfung und Einflussgrössen auf den Messwert
Je nach Prüfziel werden gekerbte oder ungekerbte Proben untersucht. Die Kerbe verändert den Spannungszustand deutlich und macht Unterschiede in der Bruchneigung oft besser sichtbar. Auch Probenrichtung, Probenstärke, Oberflächenzustand und die vorherige Lagerung beeinflussen das Ergebnis. Bei Kunststoffen ist zudem die Konditionierung vor der Prüfung relevant, weil Temperatur und Feuchte das Schlagverhalten merklich verändern können. Die Auswertung muss deshalb immer zusammen mit den konkreten Prüfbedingungen gelesen werden.
Abgrenzung zu Charpy und anderen mechanischen Prüfungen
Innerhalb der mechanischen Prüfungen erfasst die Schlagprüfung nach Izod das Verhalten bei kurzer, dynamischer Beanspruchung. Sie unterscheidet sich von Zugversuchen, Druckversuchen und 3-Punkt-Biegeversuchen dadurch, dass nicht die langsam aufgebaute statische Belastung, sondern die Energieaufnahme beim Schlag im Vordergrund steht. Gegenüber der Schlagprüfung nach Charpy ist vor allem die Probenlagerung anders: Bei Izod ist die Probe einseitig eingespannt, bei Charpy liegt sie auf zwei Auflagen. Die beiden Verfahren liefern daher keine direkt austauschbaren Werte, auch wenn beide das Schlagverhalten von Kunststoffen beschreiben.