Materialaufbau und typische Eigenschaften von Hartgewebe
Hartgewebe entsteht durch das Tränken von Gewebelagen mit Harz und das anschliessende Verpressen zu einem festen Schichtwerkstoff. Der textile Aufbau unterscheidet diese Werkstoffgruppe von papierbasierten Laminaten. Je nach Gewebeart, Harzsystem und Schichtaufbau variieren Festigkeit, Steifigkeit, Kantenstabilität, Isolierverhalten und Feuchtigkeitsbeständigkeit. Im praktischen Einsatz wird Hartgewebe dort gewählt, wo ein bearbeitbarer, formstabiler und elektrisch isolierender Werkstoff benötigt wird.
Einsatzformen bei technischen Teilen und Isolierkomponenten
Hartgewebe wird häufig nicht nur als Platte, sondern als bearbeitetes Bauteil verwendet. Typische Formen sind Scheiben, Distanzstücke, Buchsen, Führungen, Trägerteile oder elektrisch isolierende Zwischenlagen. Solche Teile kommen in Apparaten, Maschinen, Schaltkomponenten oder allgemeinen technischen Baugruppen vor. Relevant ist der Werkstoff vor allem dann, wenn ein metallischer Werkstoff wegen elektrischer Leitfähigkeit oder Gewicht ungeeignet ist.
Ausführungen, Halbzeuge und mechanische Bearbeitung
In der Praxis wird Hartgewebe meist als Halbzeug geliefert und anschliessend zugeschnitten oder spanend bearbeitet. Üblich sind Platten sowie daraus hergestellte Fräs-, Bohr- oder Drehteile. Die Ausführung richtet sich unter anderem nach Dicke, Lagenaufbau, Oberflächenbeschaffenheit und dem eingesetzten Harzsystem. Dadurch reicht das Spektrum von einfachen Zuschnitten bis zu masshaltigen Funktionsteilen für den technischen Einsatz.
Abgrenzung zu Hartpapier, GFK-Teilen und verfahrensbezogenen Kunststoffteilen
Innerhalb der Kategorie «Weitere Kunststoffteile» ist Hartgewebe primär über seinen Materialaufbau definiert, nicht über ein einzelnes Fertigungsverfahren. Damit unterscheidet es sich von Geschwisterleistungen wie Spritzgussteilen, Drehteilen oder Tiefziehteilen, die nach Herstellprozess eingeordnet sind. Gegenüber Hartpapier verwendet Hartgewebe Gewebe statt Papier als Verstärkung. Von GFK-Formteilen oder Karbon-Teilen grenzt es sich dadurch ab, dass es typischerweise als laminierter Schichtwerkstoff und nicht als frei geformtes Faserverbundbauteil verstanden wird.