Werkstoffcharakter von Holzmehl in Kunststoff-Compounds
Holzmehl besteht aus fein zerkleinerten Holzpartikeln mit lignocellulosischer Struktur. In Kunststoffen wird es dem Polymer als Füllstoff oder als funktionelle Kurzverstärkung zugesetzt, um Steifigkeit, Haptik, Optik oder den biogenen Anteil des Compounds zu beeinflussen. Die Wechselwirkung mit der Polymermatrix hängt unter anderem von Partikelgeometrie, Oberflächenchemie und Restfeuchte ab. Da Holz thermisch empfindlicher ist als viele mineralische oder glasbasierte Verstärker, muss die Verarbeitung auf das Material abgestimmt werden.
Typische Einsatzbereiche für holzgefüllte Kunststoffe
Holzmehl wird dort verwendet, wo Kunststoffe eine holznahe Anmutung oder eine erhöhte Steifigkeit bei moderater Dichte erhalten sollen. Typische Anwendungen finden sich in Profilen, Platten, Formteilen und weiteren Produkten aus holzgefüllten Thermoplasten. Je nach Rezeptur kann Holzmehl auch das Oberflächenbild und das Verarbeitungsverhalten beeinflussen. Besonders relevant ist der Werkstoff in Compounds, die gestalterische und funktionale Eigenschaften zwischen Kunststoff und Holz kombinieren sollen.
Relevante Materialmerkmale: Korngrösse, Holzart und Feuchte
Für den Einsatz von Holzmehl sind die Sieblinie, die Partikelform und die Herkunft des Ausgangsholzes von Bedeutung. Feinere Fraktionen verhalten sich in der Verarbeitung anders als gröbere Anteile und beeinflussen Oberfläche, Fliessverhalten und Füllgrad. Auch die Feuchte ist kritisch, da sie sich auf Aufbereitung, Verarbeitung und Bauteilqualität auswirken kann. In der Praxis wird Holzmehl deshalb nicht nur nach Herkunft, sondern auch nach definierten Partikel- und Qualitätsmerkmalen betrachtet.
Abgrenzung zu Glas, organischen Fasern und anderen Verstärkern
Innerhalb der Rohstoffgruppe "Kurzfasern zur Verstärkung" nimmt Holzmehl eine eigene Stellung ein. Im Unterschied zu Glasverstärkungen steht meist nicht die maximale mechanische Verstärkung im Vordergrund, sondern eine Kombination aus Steifigkeit, Optik, Haptik und Materialcharakter. Gegenüber organischen Fasern ist Holzmehl in der Regel deutlich weniger faserförmig und wirkt daher stärker über seine Partikelstruktur als über ausgeprägte Faserlänge. Die Kategorie "Andere" umfasst demgegenüber sonstige Verstärkungsstoffe, die weder glasbasiert noch klar als organische Faser oder Holzmehl einzuordnen sind.