Was unter Entsiegelung im Regenwassermanagement zu verstehen ist
Bei der Entsiegelung wird die abflusswirksame, undurchlässige Fläche reduziert. Dazu werden dichte Beläge entfernt oder so umgebaut, dass Wasser nicht mehr ausschliesslich oberflächlich in Entwässerungseinrichtungen abgeführt wird. Je nach Situation werden Oberboden wiederhergestellt, durchlässige Schichten eingebaut oder Grünflächen geschaffen. Ziel ist eine Flächengestaltung, die den natürlichen Wasserhaushalt im Bestand oder bei Umnutzungen besser abbildet.
Typische Einsatzorte im Siedlungswasserbau
Entsiegelung wird vor allem bei Arealentwicklungen, Strassensanierungen, Umgebungsarbeiten und Aufwertungen bestehender Aussenräume umgesetzt. Häufig betroffen sind Parkplätze, Innenhöfe, Zugangswege, Plätze, Randflächen entlang von Infrastrukturen oder gering belastete Verkehrsflächen. Auch bei Schularealen, Wohnüberbauungen und Gewerbeflächen wird geprüft, ob versiegelte Teilflächen verkleinert oder umgestaltet werden können. Im Bestand ist die Leistung oft mit Werkleitungsführung, Gefälleverhältnissen und bestehender Entwässerung abzustimmen.
Bauliche Ausprägungen und technische Umsetzung
Die Entsiegelung kann vollständig oder teilweise erfolgen. Vollständige Entsiegelung bedeutet, dass ein dichter Belag und seine funktional unnötigen Tragschichten entfernt und durch offenen Boden oder begrünte Flächen ersetzt werden. Teilweise Entsiegelung liegt vor, wenn nur Teilbereiche geöffnet, Randzonen entsiegelt oder dichte Beläge durch wasserdurchlässigere Oberflächen ersetzt werden. Zur technischen Umsetzung gehören Rückbau, Prüfung des Untergrunds, Anpassung der Schichtstärken, Modellierung der Oberfläche und die Wahl eines Nutzungsaufbaus, der zur künftigen Belastung passt.
Abgrenzung zu Versickerung, Rückhaltung und anderen Teilbereichen
Entsiegelung ist innerhalb der Regenwasserbewirtschaftung eine flächenbezogene Massnahme an der Oberfläche. Sie unterscheidet sich von der Versickerung, bei der Niederschlagswasser gezielt über Anlagen oder definierte Bodenbereiche in den Untergrund eingeleitet wird. Rückhaltung und gedrosselte Ableitung steuern dagegen vor allem Mengen und Abflussspitzen, ohne zwingend versiegelte Flächen zu reduzieren. Nutzung, Verdunstung oder Behandlung verfolgen wiederum andere Funktionen. Entsiegelung kann mit diesen Massnahmen kombiniert werden, ist aber fachlich nicht mit ihnen gleichzusetzen.