Wie Verdunstung in der Regenwasserbewirtschaftung funktioniert
Nach einem Niederschlagsereignis bleibt Wasser auf Oberflächen, in Substratschichten, in offenen Mulden oder an Pflanzen gebunden. Ein Teil davon verdunstet direkt, ein weiterer Teil wird von Vegetation aufgenommen und später über die Blätter abgegeben. Für die Planung bedeutet das: Verdunstung ist kein Ableitungsweg im Sinn eines Kanalsystems, sondern ein natürlicher Abbaupfad für Regenwasser, der das wirksame Abflussvolumen und die Abflussspitzen vermindern kann.
Typische Einsatzbereiche im Siedlungswasserbau
Verdunstung wird vor allem dort berücksichtigt, wo Niederschlagswasser möglichst nahe am Anfallsort bewirtschaftet werden soll. Typische Anwendungsbereiche sind Dachflächen mit Begrünung, vegetationsgeprägte Freiräume, Mulden mit Speicherwirkung, offene Wasserflächen sowie kombinierte Retentions- und Landschaftselemente in Siedlungen, Arealen und Verkehrsräumen. Besonders relevant ist der Ansatz bei dicht bebauten Gebieten, in denen die direkte Ableitung begrenzt oder hydrologisch unerwünscht ist.
Bauliche Lösungen und Einflussfaktoren auf die Verdunstungsleistung
Die Verdunstungsleistung hängt von Aufbau, Material, Wasserverfügbarkeit und Vegetation ab. Begrünte Dächer, bepflanzte Retentionsflächen, offene Bodenbereiche mit Speichervermögen oder flach eingestaute Elemente können Verdunstung gezielt fördern. Einfluss nehmen unter anderem Speicherkapazität, Schichtdicke, Pflanzenwahl, Besonnung, Wind, Verschattung und die zeitliche Verteilung der Niederschläge. Je nach System steht entweder die kurzfristige Oberflächenverdunstung oder die verzögerte Wasserabgabe über Substrat und Pflanzen im Vordergrund.
Abgrenzung zu Versickerung, Rückhaltung und Nutzung
Verdunstung unterscheidet sich von der Versickerung dadurch, dass das Wasser nicht in den Untergrund eingeleitet wird, sondern in die Atmosphäre zurückkehrt. Gegenüber der Rückhaltung ist Verdunstung kein blosses Zwischenspeichern, sondern ein tatsächlicher Wasserentzug aus dem Bewirtschaftungssystem. Zur Nutzung besteht der Unterschied darin, dass das Wasser nicht gesammelt und weiterverwendet wird. In der Praxis werden diese Ansätze oft kombiniert, etwa wenn ein Gründach Wasser zurückhält, teilweise verdunsten lässt und Überschüsse gedrosselt ableitet.