Was unter Rückhaltung bei Regenwasser zu verstehen ist
Bei der Rückhaltung wird Niederschlagswasser nach einem Regenereignis vorübergehend in einem Speichervolumen aufgenommen und erst zeitversetzt weitergegeben. Ziel ist nicht die dauerhafte Speicherung, sondern die Begrenzung von Spitzenabflüssen. Dadurch werden Lastspitzen im Entwässerungssystem geglättet und Einleitmengen besser gesteuert. Rückhaltung kann auf Grundstücksebene, innerhalb von Arealen oder im öffentlichen Entwässerungsnetz vorgesehen werden.
Typische Einsatzbereiche im Siedlungswasserbau
Rückhaltung wird vor allem dort eingeplant, wo versiegelte Flächen rasch grosse Abflussmengen erzeugen, etwa bei Wohnüberbauungen, Gewerbearealen, Verkehrsflächen oder öffentlichen Anlagen. Sie ist auch relevant, wenn bestehende Kanalisationen oder Vorfluter nur begrenzte zusätzliche Abflüsse aufnehmen können. In Umbau- und Verdichtungsgebieten dient Rückhaltung häufig dazu, den Wasserhaushalt trotz höherer Bebauungsdichte kontrollierbar zu halten. Ebenso wird sie genutzt, wenn Einleitbedingungen eine zeitliche Streckung des Abflusses erfordern.
Bauliche und konzeptionelle Formen der Rückhaltung
Rückhaltung kann oberirdisch oder unterirdisch, offen oder geschlossen sowie dezentral oder zentral organisiert sein. Übliche Ansätze sind beispielsweise Retentionsräume auf Arealen, Rückhaltebecken, Stauraumvolumen in Leitungen oder Bauwerken sowie Lösungen auf Dächern und befestigten Flächen mit zeitweiser Wasserspeicherung. Die konkrete Ausprägung hängt von Platzverhältnissen, Topografie, Entwässerungskonzept und dem gewünschten Drosselverhalten ab. In vielen Projekten wird Rückhaltung mit weiteren Elementen der Regenwasserbewirtschaftung kombiniert.
Abgrenzung zu Versickerung, Nutzung und gedrosselter Ableitung
Rückhaltung ist von anderen Leistungen innerhalb der Regenwasserbewirtschaftung klar zu unterscheiden. Im Unterschied zur Versickerung wird das Wasser nicht in den Untergrund abgegeben, sondern zunächst im System gespeichert. Gegenüber der Nutzung steht nicht die spätere Verwendung des Wassers im Vordergrund, sondern die hydraulische Entlastung. Die gedrosselte Ableitung ist oft ein Bestandteil von Rückhaltesystemen, beschreibt aber nur die begrenzte Weitergabe und nicht das gesamte Speicherkonzept. Von Behandlung, Verdunstung und Entsiegelung unterscheidet sich Rückhaltung dadurch, dass sie primär auf Abflusssteuerung und nicht auf Wasserqualität, Flächenwirkung oder Volumenminderung durch natürliche Prozesse ausgerichtet ist.