Biologischer Abbau ohne Sauerstoffeintrag
Bei anaeroben Verfahren erfolgt der Stoffabbau in einer mikrobiellen Prozesskette ohne Belüftung. Organische Verbindungen werden zunächst aufgeschlossen und in einfachere Zwischenprodukte umgewandelt; daraus entstehen schliesslich vor allem Methan und Kohlendioxid. Für einen stabilen Betrieb sind unter anderem Belastung, Temperatur, pH-Wert, Verweilzeit und mögliche Hemmstoffe im Abwasser relevant.
Einsatz in Abwasser- und Schlammbehandlung
Typische Anwendungen liegen bei Abwässern mit hoher organischer Fracht, etwa aus Lebensmittelverarbeitung, Getränkeproduktion oder anderen Industrieprozessen mit gut biologisch abbaubaren Inhaltsstoffen. Auch in Kläranlagen wird die anaerobe Umsetzung für die Stabilisierung von Schlamm genutzt. Je nach Anlagenkonzept dient das Verfahren als Vorbehandlung vor einer aeroben Stufe oder als separates Verfahren in der Schlammbehandlung.
Anlagenformen und verfahrenstechnische Ausprägungen
Anaerobe Verfahren werden in unterschiedlichen Reaktorkonzepten umgesetzt. In der Abwasserbehandlung sind unter anderem UASB-Reaktoren, Festbett- und Kontaktverfahren verbreitet; in der Schlammbehandlung werden Faulbehälter eingesetzt. Zusätzlich unterscheiden sich Anlagen nach Betriebsweise, Temperaturbereich sowie ein- oder mehrstufiger Prozessführung.
Abgrenzung zu aeroben Verfahren und Anlagentechnik
Im Unterschied zu aeroben Verfahren arbeiten anaerobe Prozesse ohne freien Sauerstoff und benötigen daher keine Belüftungseinrichtungen wie Druckluft-, Oberflächen- oder Sauerstoffbegasung. Belebungsanlagen, SBR-Reaktoren oder Membranbiologie gehören typischerweise zu aeroben Behandlungskonzepten. Bio-Reaktoren bezeichnet dagegen eine allgemeine Anlagengruppe; anaerobe Verfahren beschreiben das biologische Prozessprinzip innerhalb dieser technischen Ausführung.