Chemische Mittel für Keimreduktion und Geruchsbehandlung
Unter dieser Leistung fallen chemische Produkte, die in Abwasserströmen, Schlamm oder geruchsbelasteten Teilströmen zur Desinfektion oder Desodorierung eingesetzt werden. Bei der Desinfektion geht es um die Verringerung von Mikroorganismen durch chemische Reaktion. Bei der Desodorierung werden geruchsaktive Verbindungen chemisch oxidiert, neutralisiert oder in ihrer Wirkung abgeschwächt. Entscheidend ist nicht nur der Wirkstoff selbst, sondern auch seine Dosierbarkeit, Lagerung, Materialverträglichkeit und Restwirkung im Prozess.
Typische Einsatzorte in der Abwasserbehandlung
Chemische Desinfektions- und Desodorierungsmittel kommen vor allem dort zum Einsatz, wo hygienische Anforderungen oder Geruchsprobleme in einzelnen Prozessschritten auftreten. Dazu gehören belastete Abwasserteilströme, Speicher- und Ausgleichsbereiche, Schlammbehandlung sowie geruchsrelevante Zonen in Pumpwerken, Schächten oder auf Kläranlagen. Auch bei temporären Belastungsspitzen, bei Umbauten oder bei dezentralen Anlagen können chemische Lösungen verwendet werden, wenn eine schnelle und gezielte Behandlung einzelner Medien erforderlich ist.
Wirkprinzipien und Auswahlkriterien
Je nach Aufgabenstellung werden desinfizierende, oxidierende, neutralisierende oder geruchsbindende Chemikalien eingesetzt. Die Eignung eines Mittels hängt unter anderem von pH-Wert, Temperatur, organischer Belastung, Kontaktzeit und störenden Begleitstoffen ab. In der Praxis muss ausserdem berücksichtigt werden, ob Reaktionsnebenprodukte entstehen, ob eine Restdesinfektion erwünscht ist und wie sich das Mittel auf biologische oder nachgeschaltete Reinigungsstufen auswirkt. Deshalb ist die Auswahl immer an den konkreten Abwasser- oder Schlammstrom gebunden.
Abgrenzung zu Chlorierungsanlagen, Ozonanlagen und UV
Diese Leistung beschreibt die eingesetzten Chemikalien selbst und nicht primär die Anlagentechnik. Chlorierungsanlagen, Ozonanlagen und Ultraviolett-Bestrahlungsanlagen sind technische Systeme zur Erzeugung, Einbringung oder physikalischen Behandlung; Chemikalien zur Desinfektion und Desodorierung sind dagegen Reaktionsmittel, die in unterschiedlichen Dosier- und Verfahrenskonzepten verwendet werden können. Von Desodorierungsanlagen unterscheidet sich die Leistung dadurch, dass dort meist die apparative Behandlung geruchsbelasteter Luft oder Medien im Vordergrund steht. Das Themenfeld Mikroverunreinigungen verfolgt wiederum ein anderes Behandlungsziel als die Reduktion von Keimen oder Gerüchen.