Was bei Stoffbilanzen ermittelt wird
Eine Stoffbilanz beschreibt die mengenmässige Verteilung eines Stoffes innerhalb klar definierter Bilanzgrenzen. Dazu werden Konzentrationen aus Laboruntersuchungen mit Angaben zu Materialmengen oder Wasserströmen verknüpft, um Gesamtmengen, Teilmengen oder Stofffrachten zu berechnen. Je nach Fragestellung kann sich die Bilanz auf einen Zeitpunkt beziehen oder auf einen Zeitraum mit Zu- und Austrägen. Entscheidend sind eine nachvollziehbare Abgrenzung des Systems, konsistente Einheiten und eine transparente Herleitung der verwendeten Annahmen.
Einsatzfelder in Boden- und Altlastenprojekten
Stoffbilanzen werden eingesetzt, wenn Schadstoffgehalte allein für die Beurteilung nicht ausreichen. Typische Fälle sind die Abschätzung belasteter Aushubmengen, die Ermittlung der Schadstoffmasse in einem abgegrenzten Bodenbereich oder die Berechnung von Stofffrachten im Sicker- oder Grundwasser. Ebenso werden sie genutzt, um den Unterschied zwischen Ausgangszustand und Zustand nach Sicherungs- oder Sanierungsmassnahmen mengenbezogen darzustellen. In der Projektpraxis dienen sie damit als Arbeitsgrundlage für Entsorgung, Sanierungsplanung und Dokumentation.
Bilanzierung nach Medium, Stoffgruppe und Zeitraum
Stoffbilanzen lassen sich nach unterschiedlichen Bezugsgrössen aufbauen. Üblich sind Bilanzierungen nach Medien wie Boden, Wasser oder Aushub, nach einzelnen Parametern wie Schwermetallen oder organischen Schadstoffen sowie nach räumlichen Teilbereichen eines Standorts. Daneben gibt es zeitbezogene Ansätze, bei denen Stofffrachten über einen definierten Zeitraum betrachtet werden, etwa bei Grundwasserabströmen oder bei behandelten Materialströmen. Welche Form sinnvoll ist, hängt von Datenlage, Untersuchungsziel und der Heterogenität des untersuchten Bereichs ab.
Abgrenzung zu Analysen, Probenahmen und Einzelparametern
Stoffbilanzen sind keine eigenständige Messmethode, sondern eine quantitative Auswertung vorhandener Untersuchungsdaten. Sie unterscheiden sich von Probenahmen, bei denen Material oder Wasser entnommen wird, und von Analysen, bei denen Konzentrationen einzelner Stoffe bestimmt werden. Gegenüber Geschwisterleistungen wie BTEX-, PAK-, PCB- oder Schwermetalluntersuchungen liegt der Fokus nicht auf dem Nachweis eines bestimmten Parameters, sondern auf der Umrechnung dieser Resultate in Stoffmengen oder Stofffrachten. Innerhalb der Schadstoffanalysen bilden Stoffbilanzen damit die Verbindung zwischen Einzelmesswerten und einer mengenbezogenen Gesamtbeurteilung.