Formabweichungen gezielt ausgleichen
Beim Richten wird ein Werkstück so belastet, dass unerwünschte Formabweichungen reduziert werden. Typische Korrekturen betreffen Längskrümmungen, Querwelligkeit, Verdrehungen oder lokale Verzüge. Die Bearbeitung erfolgt kontrolliert und auf die vorhandene Abweichung abgestimmt, damit Geradheit, Ebenheit oder die vorgesehene Bauteillage wieder erreicht werden.
Typische Anlässe und Werkstücke
Richtarbeiten fallen häufig nach Prozessen an, die innere Spannungen oder lokale Verformungen erzeugen. Dazu gehören unter anderem Schweissen, thermisches Trennen, vorherige Umformschritte oder mechanische Belastungen beim Handling. Gerichtet werden je nach Fall Bleche, Blechzuschnitte, Träger, Profile, Rohre, Wellen oder Baugruppen, bei denen die Geometrie für die Weiterbearbeitung oder Montage stimmen muss.
Manuelles, maschinelles und lokales Richten
Je nach Werkstück und Abweichungsbild kommen unterschiedliche Richtverfahren zum Einsatz. Üblich sind manuelles Richten, Richtarbeiten mit Presse oder Vorrichtung sowie maschinelles Richten über Richtrollen oder vergleichbare Systeme. Bei komplexeren Verzugsbildern kann auch lokal gearbeitet werden, etwa an einzelnen Bereichen einer Konstruktion statt am ganzen Bauteil. Welche Methode geeignet ist, hängt von Werkstoff, Querschnitt, Abmessung und geforderter Toleranz ab.
Abgrenzung zu Biegen, Abkanten und Walzen
Richten gehört innerhalb der Umformverfahren zu den Korrekturprozessen. Im Unterschied zu Biegen oder Abkanten wird dabei keine neue Sollform hergestellt, sondern eine ungewollte Abweichung zurückgeführt. Auch von Walzen sowie Strecken und Ziehen unterscheidet sich Richten durch seine Aufgabe: Nicht die gezielte Querschnitts- oder Längenänderung steht im Vordergrund, sondern das Wiederherstellen von Geradheit, Ebenheit oder definierter Lage.