Werkstoffe und konstruktive Merkmale von Kunststofflagern
Bei Kunststofflagern bestimmt nicht nur die Lagergeometrie, sondern vor allem der eingesetzte Polymerwerkstoff das Verhalten im Betrieb. Technische Kunststoffe unterscheiden sich hinsichtlich Steifigkeit, Reibung, Feuchteaufnahme, chemischer Bestaendigkeit und thermischer Belastbarkeit. Je nach Ausfuehrung bestehen Lager vollstaendig aus Kunststoff oder kombinieren Kunststoff mit metallischen oder anderen Werkstoffen. Fuer die Auslegung sind insbesondere Radial- und Axiallast, zulassige Drehzahl, Masshaltigkeit und das Verhalten bei Temperaturwechseln zu pruefen.
Typische Einsatzbedingungen in Maschinen und Foerdertechnik
Kunststofflager kommen vor allem dort in Betracht, wo Feuchtigkeit, Reinigungsmedien, Schmutz oder korrosive Umgebungen den Einsatz klassischer Metalllager erschweren. Sie werden in leichten bis mittleren Bewegungsaufgaben eingesetzt, etwa in Foerderstrecken, Handhabungseinheiten, Verpackungsmaschinen oder peripheren Baugruppen. Auch bei Anforderungen an elektrische Isolation oder geringere bewegte Masse kann Kunststoff konstruktive Vorteile bieten. Ob die Lagerung fuer Dauerbetrieb geeignet ist, haengt jedoch von der konkreten Belastung und vom Reibungs- und Waermemanagement ab.
Ausfuehrungen, Dichtungen und betriebliche Anforderungen
Kunststofflager sind in unterschiedlichen Bauformen verfuegbar, beispielsweise als Radiallager, Flanschvarianten oder als Teil vormontierter Lagereinheiten. Relevant sind offene oder abgedichtete Ausfuehrungen, die Gestaltung des Kaefigs sowie die Frage, ob ein trockener Lauf oder eine Schmierung vorgesehen ist. In staubigen oder nass gereinigten Bereichen beeinflusst die Dichtung das Laufverhalten und den Verschleiss deutlich. Ebenso ist zu klaeren, wie sich der Werkstoff unter Medienkontakt, Massschwankungen und laengerer statischer Last verhaelt.
Abgrenzung zu anderen Wälzlagern
Innerhalb der Hierarchie der Wälzlager werden Kunststofflager primaer ueber den Werkstoff beziehungsweise die Werkstoffkombination beschrieben. Kugellager, Kegelrollenlager, Nadellager und Rollenlager sind dagegen nach Wälzkoerperform und Lastaufnahme gegliedert. Gehäuselager bezeichnen montagefertige Einheiten und koennen Kunststofflager enthalten, sind aber keine identische Kategorie. Von Sinterlagern und Luftlagern unterscheiden sich Kunststofflager durch ein anderes Funktions- und Werkstoffprinzip; von Wälzlager allgemein wiederum durch die spezifische Materialauslegung.