Wie elektrochemische Bodensanierung funktioniert
Zwischen Anode und Kathode wird ein elektrisches Potential angelegt. Dadurch entstehen Transportprozesse wie Elektromigration, Elektroosmose und elektrophoretische Bewegung, die gelöste Stoffe, Ionen und Wasser im Porenraum verschieben. Je nach Verfahrenskonzept werden Schadstoffe an den Elektroden entfernt, in Sammelbereichen konzentriert oder durch ergänzende Reaktionen umgewandelt. Die Methode setzt daher nicht primär auf Aushub oder Erwärmung, sondern auf den kontrollierten Stofftransport im Boden.
Geeignete Einsatzbereiche im Untergrund
Elektrochemische Verfahren werden insbesondere bei feinkörnigen, wenig durchlässigen Böden betrachtet, in denen klassische Spül- oder Förderverfahren an Grenzen stossen. Fachlich relevant sind vor allem Belastungen, bei denen gelöste oder ionische Stoffanteile im Porenwasser erfasst und bewegt werden können. Das Verfahren kann bei lokal begrenzten Schadensbereichen ebenso eine Rolle spielen wie bei Standorten, an denen ein Eingriff mit geringem Aushub angestrebt wird. Ob die Methode geeignet ist, hängt stark von Bodenaufbau, Wassergehalt, Leitfähigkeit und Schadstoffform ab.
Verfahrensformen und technische Ausprägungen
Innerhalb der elektrochemischen Sanierung gibt es unterschiedliche Ansätze. Häufig wird elektrokinetisch gearbeitet, also mit dem Transport von Ionen und Porenwasser durch ein elektrisches Feld. Daneben können elektrodennahe Reaktionszonen, pH-Steuerung oder die Kombination mit Reagenzien Teil des Konzepts sein, um Stoffe besser zu lösen, zu fällen oder abzuscheiden. In der Praxis wird das Verfahren oft mit anderen Bodensanierungsverfahren kombiniert, etwa mit Extraktion, physikalisch-chemischen Behandlungsschritten oder einer nachgeschalteten Entnahme belasteter Flüssigkeiten.
Abgrenzung zu biologischen, thermischen und Ex-situ-Verfahren
Elektrochemisch beschreibt die Wirkweise des Verfahrens und nicht in erster Linie den Ort der Behandlung. Deshalb ist es von In-situ- und Ex-situ-Verfahren zu unterscheiden, die festlegen, ob der Boden im Untergrund oder nach Aushub behandelt wird. Gegenüber biologischen Verfahren beruht die Schadstoffminderung nicht auf mikrobiellen Abbauprozessen. Im Unterschied zu thermischen Verfahren erfolgt keine Sanierung über hohe Temperaturen, und im Vergleich zum Waschen oder zu rein physikalisch-chemischen Methoden steht der elektrisch erzeugte Stofftransport im Vordergrund.