Funktionsprinzip beim elektrochemischen Senken
Die Bearbeitung erfolgt berührungslos über elektrochemische Auflösung im Spalt zwischen Werkzeug und Werkstück. Die Elektrode bildet die gewünschte Geometrie ab, während der Elektrolyt den Prozessraum durchströmt und Reaktionsprodukte abführt. Anders als beim Senkerodieren entsteht der Materialabtrag nicht durch Funkenentladungen, sondern durch anodische Auflösung des Werkstoffs.
Typische Werkstücke und Einsatzfälle
Elektrochemisches Senken wird für innenliegende Formbereiche, Konturen, Taschen und komplexe Kavitäten eingesetzt, sofern das Werkstück elektrisch leitfähig ist. Das Verfahren kann interessant sein bei hochfesten oder schwer zerspanbaren Materialien sowie bei Geometrien, die mit geringer mechanischer Belastung bearbeitet werden sollen. Je nach Auslegung lassen sich auch feine Strukturen und Übergänge bearbeiten, ohne dass Schnittkräfte wie beim Fräsen auftreten.
Prozessauslegung, Elektrode und Bearbeitungsmerkmale
Die Bearbeitungsqualität hängt unter anderem von Elektrodengeometrie, Stromdichte, Spaltverhältnissen, Elektrolytführung und Prozessregelung ab. Entscheidend ist, dass der Elektrolyt den Arbeitsbereich gleichmässig versorgt und abgetragenes Material zuverlässig aus dem Spalt entfernt wird. Je nach Anlage und Aufgabenstellung kommen unterschiedliche Ausführungen der Stromführung und der Vorschubsteuerung zum Einsatz. Werkzeugauslegung und Prozessfenster müssen auf Werkstoff, Zielkontur und geforderte Genauigkeit abgestimmt sein.
Abgrenzung zu Senkerodieren, Drahterodieren und Laserverfahren
Innerhalb der Lohnarbeiten wird elektrochemisches Senken oft zusammen mit elektroerosiven Verfahren geführt, fachlich unterscheidet es sich jedoch klar vom funkenerosiven Abtrag. Beim Senkerodieren und Drahterodieren wird Material durch elektrische Entladungen abgetragen, beim elektrochemischen Senken durch chemisch-elektrischen Lösungsprozess. Gegenüber Bohrerodieren oder Mikroerodieren steht nicht die Herstellung tiefer Kleinstbohrungen im Vordergrund, sondern die formgebende Bearbeitung mit geformter Elektrode. Von Laserabtragen und Lasertexturierung grenzt sich das Verfahren durch das nasse Prozessumfeld und den fehlenden laserbasierten Energieeintrag ab.