Funktionsprinzip mit zwei abgestimmten Wirkbewegungen
Bei doppelt wirkenden Pressen arbeiten zwei Pressglieder koordiniert zusammen. Ein erstes Element hält das Material nieder oder spannt es kontrolliert, während ein zweites Element die eigentliche Umformbewegung ausführt. Diese Trennung erlaubt es, den Materialfluss während des Pressvorgangs gezielt zu beeinflussen. In der spanlosen Formgebung ist das vor allem dort relevant, wo Blech nicht nur gedrückt, sondern gleichzeitig geführt werden muss.
Typische Anwendungen in der Blechumformung
Eingesetzt werden doppelt wirkende Pressen vor allem bei Tiefzieh- und Ziehumformprozessen, bei denen ein Werkstück gegen Faltenbildung, unkontrolliertes Nachziehen oder ungleichmässige Verformung gesichert werden soll. Sie kommen bei Teilen mit Bechern, Schalen, Gehäusen oder anderen tiefgezogenen Konturen infrage. Auch bei komplexeren Umformaufgaben mit definiertem Niederhalterdruck bietet diese Bauart verfahrenstechnische Vorteile gegenüber einfacheren Presskonzepten.
Bauformen und prozessrelevante Ausprägungen
Doppelt wirkende Pressen unterscheiden sich unter anderem nach Antriebsart, Rahmenbauweise und Auslegung der beiden Wirkstufen. Je nach Maschine werden Stössel- und Niederhalterbewegung mechanisch, hydraulisch oder in kombinierter Form realisiert. Für die Auswahl sind weniger der Begriff allein als die Abstimmung auf Werkzeug, Werkstoff, Hubverlauf und Prozesssicherheit entscheidend. In der Praxis spielt auch eine Rolle, wie unabhängig sich beide Bewegungen einstellen und überwachen lassen.
Abgrenzung zu anderen Pressenbauarten
Innerhalb der Kategorie Pressen gehören doppelt wirkende Pressen zu den Maschinen für Umformaufgaben mit zwei funktional getrennten Wirkungen. Sie unterscheiden sich von Exzenter-, Kurbel- oder Kniehebel-Pressen nicht nur durch den Antrieb, sondern vor allem durch die prozessseitige Trennung von Umformen und Niederhalten. Gegenüber Hochproduktionspressen mit automatischer Zufuhr beschreibt die Bezeichnung keine Automatisierungsstufe, sondern das Wirkprinzip der Maschine. Von 2-Säulenpressen oder 4-Säulenpressen grenzt sie sich ebenfalls ab, da diese Begriffe primär die Bauform des Gestells und nicht die Zahl der abgestimmten Presswirkungen bezeichnen.